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vegan leben

Wie vegan ist eigentlich Fruchtsaft?

Saft ist vegan. Logisch. Ist ja nur Obst. Stimmt nur leider nicht immer. Wir zeigen auf, worauf Ihr beim Saftkauf achten müsst.

Neulich waren wir bei Freunden zum Frühstück eingeladen. Obwohl sie weder Vegetarier noch Veganer sind, waren sie auf uns offenbar bestens vorbereitet. Denn sie hatten an fast alles gedacht – Sojamilch fürs Müsli, eine große Auswahl an regionalem Brot und Obst, selbst gemachte Marmelade und sogar veganen Käse stellten sie uns auf den Tisch. Umso schlimmer, als wir sie enttäuschen mussten, als sie uns ein Glas frischen Fruchtsaft einschenken wollten und wir dankend ablehnten. „Fruchtsaft? Ist das jetzt Euer Ernst? Gibt es denn etwas Natürlicheres als Fruchtsaft?“

Viele von Euch werden sicherlich genauso denken. Doch leider mussten wir an dieser Stelle die Bremse ziehen. Denn Fruchtsaft ist nicht gleich Fruchtsaft. Und vor allem ist Fruchtsaft leider nicht automatisch vegan. Und was wirklich doof ist, vielen Säften und ihrer Verpackung kann man nicht einmal ansehen, wie sie hergestellt werden und ob es sich tatsächlich um vegane Säfte handelt. Es sei denn, der Hersteller benutzt freiwillig ein Siegel, das den jeweiligen Saft als vegan ausweist. Warum das so ist, wollen wir Euch heute hier kurz vorstellen.

Rindersehnen und Schweineknochen im Saft

Säfte werden aus Obst gemacht. So weit, so gut. Eigentlich sind Säfte damit von Natur aus rein pflanzlich, also vegan. Wie kommt es, dass in etwas rein Pflanzlichem tierische Inhaltsstoffe landen können? Um das zu verstehen, muss man sich anschauen, wie Fruchtsäfte hergestellt werden.

Einfach ausgedrückt hat das in der Regel vor allem etwas mit dem Aussehen zu tun, genauer gesagt mit sogenannten Klärungs- und Schönungsverfahren. Dafür werden nämlich tierische Produkte wie zum Beispiel Gelatine aus Schweineknochen, Rindersehnen oder Fisch genutzt, um beispielsweise aus einem naturtrüben Apfelsaft einen klaren Apfelsaft zu machen. Die Gelatine ist dabei für das Binden und Ausfällen des natürlichen Fruchtfleisches, also der „Trübmacher“ im Saft, verantwortlich. Das Problem: In dem klaren Apfelsaftprodukt ist keine Gelatine mehr nachweisbar und muss daher nicht als ein Lebensmittel mit tierischen Produkten gekennzeichnet werden. Zudem sind diese Filterverfahren lebensmittelrechtlich erlaubt und deshalb auch nicht kennzeichnungspflichtig.

Trüb oder nicht trüb, das ist hier die Frage

Nun wird oft behauptet, dass durch eine zweite Filtration die Gelatine ohnehin wieder aus dem Saft entfernt würde. Das hilft uns Veganern allerdings nicht, denn die tierischen Produkte wurden ja trotzdem verwendet.

Grundsätzlich können wir also davon ausgehen, dass klare Säfte in der Regel selten vegan sind. Naturtrübe Säfte, egal ob Direktsaft oder Konzentrat, dagegen schon eher. Nur prinzipiell verlassen kann man sich auch darauf nicht.

So werden viele Säfte, insbesondere die Multivitaminsäfte mit Betacarotin – auch bekannt als Provitamin A – angereichert, um dem Getränk mehr Farbechtheit zu verleihen. Da Betacarotin wasserunlöslich ist, würde es sich ohne die Fischgelatine nicht im Saft auflösen. Damit angereicherte Säfte sind also ebenfalls nicht vegan.

Sind dann wenigstens Bio-Fruchtsäfte vegane Säfte? Genau so einen hatten uns nämlich unsere Freunde auf den Frühstückstisch gestellt? Leider nein! Denn auch viele Bio-Fruchtsäfte werden mit Gelatine geklärt oder mit Honig gesüßt. Das Kürzel „Bio“ steht in erster Linie für die ökologische Anbauweise und nicht für die tierfreie Herstellung.

Die gute Nachricht: Inzwischen gibt es auch Filterverfahren, die ohne Schweinegelatine auskommen. Die sogenannte Ultrafiltration. Das Ergebnis sind tatsächlich klare vegane Säfte. Blöderweise wird die Art des Klärungsverfahrens nicht auf der Saftverpackung vermerkt. Deshalb ist für uns und für Euch nicht auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich hier um ein „veganes“ Filterverfahren handelt.

Woran erkennt man dann die veganen Säfte?

Nun ja, wer ganz auf Nummer sicher gehen will, presst sich seinen Orangensaft, Apfelsaft, Traubensaft, Bananensaft oder Mangosaft am besten selbst. Denn die selbstgemachten Säfte sind garantiert immer vegan.

Ansonsten bleibt als guter Rat:

1. Immer auf das Etikett achten.
Vor allem bei Multivitamin-, ACE- und BCE-Säften solltet Ihr auf die Zutatenliste schauen. Die mit Betacarotin/Provitamin A versetzten Säfte müssen diesen Zusatzstoff ausweisen, was bedeutet, dass sie auf jeden Fall auch Gelatine enthalten.

2. Auf das Vegan-Siegel achten.
Dieses Vegan-Siegel schließt eindeutig die Klärung von Säften mit tierischen Mitteln aus.

Denn als rein vegan gekennzeichnete Produkte sehen von den tierischen Bestandteilen ab und können somit unbesorgt gekauft werden. Ansonsten findet Ihr im Netz inzwischen auch schon recht übersichtliche Listen an Fruchtsäften, die garantiert ohne tierische Produkte hergestellt wurden. Schreibt uns doch einfach, welche veganen Säfte Ihr Zuhause am liebsten trinkt.

In veggies we trust!

Foto: iStock.de/EXTREME-PHOTOGRAPHER

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