Menü

vegan leben

Was ist eigentlich veganer Wein?

Was ist eigentlich veganer Wein?

Um zu verstehen, was am Wein vegan bzw. nicht vegan sein kann, muss man sich ein bisschen mit seiner Herstellung beschäftigen. Hier kommt unser veganer Wein Crashkurs für Euch!

Neulich hatten wir Besuch von einem Freund, der sich nicht nur ganz wundervoll mit Wein auskennt, sondern zudem auch dem Veganismus gegenüber ziemlich aufgeschlossen gegenübersteht. Natürlich hatte er wie immer ein paar wirklich tolle Weine im Gepäck. Die Überraschung war diesmal aber groß, als er uns nach dem ersten Schluck verraten hat, dass das, was da gerade so fruchtig grüngelb im Glas glänzt, absolut veganer Wein sein soll. Tja, und selbstredend entwickelte sich aus diesem Satz eine bis Spät-in-die-Nacht-Diskussion darüber, wie vegan Wein eigentlich sein kann.

100 % vegan geht gar nicht.

Das grundsätzliche Problem dabei ist nämlich ganz einfach: zu 100 % vegan ist beim Wein (wie übrigens auch bei nahezu allen Obstsäften) völlig ausgeschlossen. Woran das liegt? Ganz einfach: Sowohl für Wein wie auch für Obstsaft werden Früchte gepresst, die von Bäumen, Reben oder Sträuchern abgepflückt wurden. Und natürlich finden sich zwischen diesen Früchten auch Insekten in Form von kleinen Käfern oder winzigen Fliegen, die dann ebenfalls im ausgepressten Saft landen. Wer damit, so wie wir, leben kann, der ist hier in diesem Beitrag über veganen Wein absolut richtig. Wer damit nicht leben kann, dem bleibt eigentlich fast nur eine Möglichkeit: Trauben selbst anbauen, selbst ernten, Käfer und Fliegen vor der Presse von jeder Traube per Hand entfernen und dann Wein selbst machen. Unrealistisch und viel zu aufwendig finden wir. Bliebe noch die Möglichkeit, ganz auf Wein zu verzichten. Weil das aber auch unrealistisch ist, akzeptieren wir die kleinen Käfer so, wie wir es akzeptieren, dass man als Veganer auch Arachnophobiker sein kann und eben auch mal mit der Zeitung nach Spinnen haut.

Wie kommen denn die tierischen Inhaltsstoffe in den Wein?

Was aber ist denn jetzt veganer Wein, bzw. wie kommen denn eigentlich tierische Inhaltsstoffe in ein durch und durch pflanzliches Produkt? Dafür schauen wir uns vielleicht erst einmal an, wie Wein genau hergestellt wird (sind ja nicht alle so oft bei Winzern unterwegs wie wir …).

Zunächst einmal werden natürlich die Rebstöcke gesetzt und über viele Jahre gehegt und gepflegt. Sind diese soweit, dass sie ordentliche Trauben hervorbringen, und diese Trauben ein bestimmtes, gesetzlich festgelegtes Mostgewicht bzw. einen bestimmten Zuckergehalt erreicht haben, dann beginnt die Zeit der Weinlese. Meist im September werden die Trauben dann von Hand oder mithilfe großer Lesemaschinen aus dem Weinberg geholt. Anschließend landen die Trauben im Weingut, wo sie direkt nach der Lese als Erstes von ihren gerbstoffreichen Stielen getrennt werden. Danach geht es in eine große Mühle, in der die Trauben zu einem Gemisch aus Fruchtfleisch, Schalen, Saft und Kernen zermahlen werden: Die Maische. Damit sich die Aromen der Früchte schön ausbilden können, bleibt die Maische für bis zu 24 Stunden stehen. Danach wird sie zu Most ausgepresst, der in der Regel geschwefelt wird, um ihn vor mikrobakteriellem Verderb zu schützen und seine Oxidation zu verhindern. Der Most kommt dann in Gärfässer oder Gärtanks, wo durch die Zugabe spezieller Hefekulturen die Gärung einsetzt, die den Fruchtzucker der Trauben in Alkohol umwandelt. Bis der Most komplett durchgegoren ist, dauert es etwa 8 Tage. Nach der anschließenden Entfernung der Hefe und der Schönung darf der Jungwein dann für mindestens 3 Monate reifen. Danach wird er auf Flaschen gezogen, etikettiert und kann verkauft werden.

So – und welcher dieser Schritte soll denn bei herkömmlichem Wein nun bitteschön nicht vegan sein? Wir verraten es Euch: Beim Anbau der Trauben, bei der Schönung und beim Etikettieren können tierische Stoffe verwendet werden, bzw. der Lebensraum von Tieren beeinträchtigt werden. Oha denkt Ihr sicher jetzt – haben wir gar nicht gewusst! Wir vor unserer langen Weindiskussion auch nicht vollumfänglich.

Anbau: mehr bio = mehr vegan?

Aber fangen wir doch noch mal ganz vorne an: beim Anbau. Grundsätzlich kann man den Anbau in konventionellem Weinanbau und biologischem Weinanbau unterteilen. Beim konventionellen Anbau sind Pflanzenschutzmittel erlaubt, die hingegen beim biologischen Anbau verboten sind. Da die verwendeten Pflanzenschutzmittel nicht nur einen direkten Einfluss auf Insekten im Weinberg haben, sondern auch einen indirekten, indem sie auf Unkräuter wirken, die von Insekten und Tieren als Lebensgrundlage benötigt werden, sind unserer Meinung nach ein konventioneller Anbau und das Thema veganer Wein nicht zu vereinbaren. Anders sieht es beim Biowein aus: Durch Beipflanzungen sowie biologische Spritzmittel wird hier der Lebensraum von Tieren und Insekten nicht mit chemischen Stoffen kontaminiert. Legt man also ganz strenge Maßstäbe an, solltet Ihr auf jeden Fall versuchen, veganen Wein aus biologischem Anbau zu bekommen, denn dann könnt Ihr Euch nahezu sicher sein, dass bei seinem Anbau keine Tiere zu Schaden gekommen sind. Bleibt allerdings noch das Problem der Ernte. Denn geschieht diese nicht per Hand, sondern durch große Erntemaschinen, dann kann es natürlich auch dadurch zu Schädigungen des Insektenbestandes im Weinberg kommen. Fazit: Bio und handgeerntet wäre hier erste vegane Wahl!

Schönung – was ist das denn?

Kommen wir zum großen und komplizierten Thema der Weinschönung. Bei der Schönung werden winzige Schwebeteilchen entfernt, die später zu Trübungen oder unschönen Schleiern im Wein führen könnten. Durch die Schönung wird der Wein also einerseits geklärt und andererseits biochemisch stabilisiert. Die Schönung wird dabei mit einem Schönungsmittel durchgeführt, das lebensmittelrechtlich nicht als Zusatz-, sondern als Hilfsstoff gilt, da es nicht im Wein verbleibt. Geschönt werden kann der Wein mit den unterschiedlichsten Stoffen. Beispielsweise mit Fest- bzw. Mineralstoffen wie Aktivkohle, Bentonit (ein Tonmehl) oder der Blauschönung. Aber auch mit eiweißhaltigen Schönungsmitteln wie Eiklar, Fischblasen, Kasein (aus Magermilch) und Gelatine wird der Wein mitunter aufbereitet. Genau hier liegt dann auch das vegane Problem: Weine die damit behandelt worden sind – obwohl die Stoffe nicht im Wein verbleiben – sind per Definition keine veganen Weine mehr, da zu ihrer Herstellung tierische Bestandteile verwendet wurden. Fazit: Vegan ist ein Wein nur dann, wenn er nicht mit tierischen, eiweißhaltigen Schönungsmitteln, sondern mit veganen wie Aktivkohle, Bentonit, Calciumphytat, Kaolin, Polyvinylpolypyrrolidon, Tannin, veganer Gelatine oder Weinhefe behandelt wurde.

Etikettenkleber mit tierischen Inhaltsstoffen!

Der dritte Punkt, auf den man als veganer Weintrinker achten sollte, ist der Kleber der Weinetiketten. Dieser sollte unbedingt auch ohne tierische Inhaltsstoffe hergestellt worden sein. Allerdings halten eben diese Kleber nicht so gut und lösen sich bei der Kühlung der Flaschen oftmals ab. Da Wein nicht ohne Etikett verkauft werden darf, ist genau das ein großes Problem der veganen Winzer. Fazit: Besser den Winzer fragen, mit welchem Kleber er die Etiketten auf den Flaschen anbringt. Das ist natürlich bei Supermarktweinen etwas schwierig. Aber hey, direkt beim Winzer kaufen oder bestellen macht doch ohnehin viel mehr Spaß.

Warum vegane Weine nicht immer als vegan deklariert werden

Wie erkennt man denn aber nun einen veganen Wein? Nun, das geht zunächst natürlich mal über das Vegan-Siegel. Allerdings gibt es auch eine ganze Menge Winzer, die ihre Weine ohne tierische Hilfsstoffe herstellen, ohne als vegane Winzer zertifiziert zu sein. Das hat mehrere Gründe. Eine Zertifizierung kostet den Winzer ordentlich Geld, das er natürlich erst mal wieder mit seinem Wein verdienen muss. Das Ganze rechnet sich also letztendlich nur ab einer bestimmten Mindestherstellmenge. Vielleicht auch ein Grund, warum meist kleine Winzer auf das Vegan-Label verzichten. Ein weiterer Grund ist, dass viele Winzer sich nicht in eine vegane Ecke drängen lassen wollen. Wir Veganer finden vegan zwar toll, es gibt allerdings auch eine Menge (meist sehr konservativer) Weinliebhaber, die veganem Wein per se eine mindere Geschmacksqualität unterstellen. Um diese Kundengruppen nicht zu verlieren, wird das Wort „vegan“ deshalb eher nicht aufs Etikett geschrieben. Unser Tipp hier: Versucht doch einfach mit dem Winzer ins Gespräch zu kommen. Unsere Erfahrung zeigt, dass das meist ganz gut klappt, wenn man sich offen und ehrlich interessiert zeigt. Was Ihr aber auf gar keinen Fall tun solltet: Lasst nicht den veganen Besserwisser raushängen. Denn selbst wer alles über Wein gelesen hat, hat im Vergleich zu einem Winzer, der seinen Boden, seine Trauben und seine Herstellung ganz genau kennt, absolut keine Ahnung von dem jeweiligen Wein.

Wir machen es übrigens immer so, dass wir uns eine Weinregion heraussuchen, dann dort nach Biowinzern suchen (wegen des Anbaus!) und diese danach per Telefon fragen, ob sie tierische Hilfsmittel bei der Weinherstellung verwenden. Das funktioniert in der Regel ziemlich gut und wir haben so schon viele leckere Weine und viele tolle Menschen aus Rheinhessen, aus der Pfalz, von der Mosel, aus dem Rheingau und aus Franken kennengelernt.

Aber wie schmeckt er denn nun, der vegane Wein? Wir finden: natürlicher, ehrlicher und irgendwie erdverbundener – jedenfalls dann, wenn es sich um veganen Biowein handelt.

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/ansonmiao

vegan-leben-Übersicht



Unser Tarifrechner wird derzeit aktualisiert.

Bei individuelle Anfragen können Sie uns gerne ansprechen.

Team von vegawatt
vegawatt@twl.de