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vegan leben

Veganer – wir sind mehr als wir glauben!

Vom Spinner. Zum Trend. Zum Mainstream. Ein kleiner Abriss über die Entwicklung und Anzahl des Veganismus.

Vegan ist inzwischen ein richtiger Trend und ja – fast schon ein Lifestyle – und damit gehören wir nach Jahren des als „arme ausgehungerte Spinner schräg Angeschautwerdens“ fast schon zu den Trendsettern, auch wenn wir uns weder als das eine noch das andere betrachten. Was uns aus unserer Sicht von den so denkenden Mitmenschen unterscheidet, ist ja „nur“ der aus ethischen und oft auch gesundheitlichen Gründen gelebte Verzicht auf tierische Produkte. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn uns auch diese Einstellung mit anderen Veganern und in Schnittmengen auch mit Vegetariern in einen Topf wirft, so sehen wir uns dennoch nicht als homogene Gruppe. Es mag einige Ausprägungen geben, die typisch sind für andere Menschen unseres Lebensstils, auf die wir später noch zu sprechen kommen (Bildung, Einkommen, Frauen). Aber nichtsdestotrotz arbeiten wir in unterschiedlichsten Berufen, sind verheiratet, Singles, Eltern oder kinderlos, alt oder jung. Wir können nicht einmal einer politischen Richtung zugeordnet werden. Veganer gibt es in allen Parteien und selbst in unserem Bekanntenkreis gibt es durchaus heftige Diskussionen! Wir haben unterschiedlichste Freizeitinteressen, Hobbys, oder einen Musik-, Literatur- und Filmgeschmack, der kaum unter einen Hut zu bringen ist und unterscheiden uns auch sonst in vielerlei Hinsicht. Vielleicht ist das der Grund, dass wir uns immer als eine Minderheit fühlen. Wir wollen dem Ganzen mal auf den Grund gehen. Wir groß ist diese gefühlte Minderheit heute? Wie viele von uns – also Veganer aber auch Vegetarier gibt es aber überhaupt in Deutschland oder weltweit? Und wann haben Menschen begonnen, in ihrer Ernährung auf Fleisch bzw. auf tierische Produkte zu verzichten?

Dafür müssen wir einen Blick zurück bis in die Antike werfen, um den Spuren der ersten „Tierschützer“ zu folgen:

Pythagoras, der erste Vegetarier

Von Pythagoras stammt nicht nur der bekannte „Satz des Pythagoras“, mit dem wir schon das Vergnügen im Matheunterricht hatten, sondern tatsächlich taucht sein Name auch in Zusammenhang mit der Geschichte des Vegetarismus bzw. Veganismus auf. Bereits hier in der Antike äußerte der Philosoph und Mathematiker Pythagoras (ca. 570–500 vor Christus) mit dem Ausspruch „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück“ eine außerordentlich moderne Haltung. Dabei lehnten er und seine Mitstreiter nicht nur die religiösen Tieropfer ab, sondern waren überzeugt, dass das Essen von Fleisch den Menschen aggressiv und mordlüstern auch mit seinesgleichen mache: Wer Tiere tötet, ist auch in der Lage Menschen zu töten.

Griechische Orphiker – die erste vegane Bewegung

Auch der römische Philosoph Seneca sowie Ovid und Plutarch teilten Pythagoras’ Denken, aber eine größere Bewegung entstand daraus noch nicht. Den zur gleichen Zeit lebenden griechischen Orphikern, die den Genuss von Fleisch aus religiös-philosophischen Gründen ablehnten, gelang es allerdings nicht, diese ersten vegetarischen/veganen Grundsätze weiter zu verbreiten. Sie glaubten an die Wiedergeburt sowohl der menschlichen als auch der tierischen Seele nach dem Tod und waren daher überzeugt, dass die Erlösung nur derjenige findet, der den Körper rein hält und asketisch lebt.

Fleisch – als Grundnahrungsmittel zwischen Antike und Neuzeit

Fleisch blieb auch weiterhin ein beliebtes Grundnahrungsmittel. Die ersten Formen des Vegetarismus verschwanden mit dem Untergang der Antike. Wenn auch einige christliche Mönche aus religiösen Gründen auf den Verzehr von Fleisch verzichteten, jedoch nicht zwingend auf Fisch und Geflügel, so tauchte das Thema erst in der frühen Neuzeit auf: Leonardo da Vinci etwa sprach sich für die vegetarische Ernährung aus.

Prominente Vertreter wie Voltaire und Rousseau sorgen in der Aufklärung für mehr Aufmerksamkeit für das Thema des Vegetarismus. Etabliert hat sich das Ganze jedoch erst im Laufe des 19. Jahrhunderts, insbesondere im angelsächsischen Raum. Gerade hier gilt die pflanzliche Kost als gesünder, und aggressives Verhalten und der Genuss von Fleisch werden in einen Zusammenhang gebracht. 1801 wird der erste Vegetarier-Verein in London gegründet, 1847 folgt die Gründung der bis heute existierenden „Vegetarian Society“. In Deutschland wird 1867 die „Vegetarische Vereinigung“ ins Leben gerufen.

Der Veganismus – ein Kind des 20. Jahrhunderts

Eine Unterscheidung zwischen Vegetarismus und Veganismus war bis dahin nicht erfolgt. In der Regel wurde der Ovo-Lacto-Vegetarismus praktiziert, also der Verzicht auf Fleisch und Fisch, aber nicht auf Eier und Milchprodukte. Als 1944 die Vegan Society aus der Vegetarian Society hervorgeht, beginnt folglich die offizielle Geschichte des Veganismus.

Der Vegetarierbund Deutschlands (VEBU), 1892 gegründet, spricht sich durch seinen Vorsitzenden Bruno Wolff in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts für eine rein pflanzliche Ernährung aus. Er steht heute für die Interessengemeinschaft der vegetarisch und vegan lebenden Menschen.

Die Zahl der Tierschutzbewegungen nimmt Ende des 20. Jahrhunderts zu, ebenso Aktionen wie Jagdsabotagen oder Nacktdemos; die Zahl der Veganer steigt parallel. Das Image der pflanzlichen Ernährung bisher als Schonkost für Kranke oder für schmuddelige Öko-Spinner tituliert, ändert sich langsam aber stetig. Das Thema findet Ende der neunziger Jahre allmählich Eingang in die Medien und wird dort auch zunehmend ernsthaft diskutiert.

Mit dem Auftreten von BSE in Deutschland im Jahr 2000 erreicht die vegetarische Bewegung in Deutschland einen Höhepunkt: Nach Schätzungen ernährten sich zu diesem Zeitpunkt etwa 15 % der Deutschen vegetarisch. Dieser Anteil ging bis heute wieder auf etwa 10 % zurück.

Es gibt immer mehr Veganer

Aktuell geht man von ca. 8 Millionen Menschen aus, die vegetarisch leben, was etwa 10 % der Bevölkerung entspricht. Rein vegan ernähren sich auf Basis von Studien etwa 1–1,3 Mio. Menschen, also max. 1,6 % der Bevölkerung. Täglich sollen es 200 Menschen mehr sein. Trend: steigend, wenn man die Zahlen in ihrer Entwicklung betrachtet. 2008 waren es demzufolge erst 80.000 Menschen, die sich vegan ernährten. 2015 waren es laut VEBU bereits 900.000 Menschen.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Angebot an veganen Produkten und Lebensmitteln wider: So ist der Umsatz mit veganen Produkten mit jährlichen Zuwachsraten von durchschnittlich 17 % seit 2010 auf einen Jahresumsatz von mehr als 700 Millionen Euro gestiegen. Selbst beim Discounter könnt Ihr inzwischen eine Auswahl veganer Produkte einkaufen.

Die wachsende Beliebtheit veganer Ernährung schlägt sich beispielsweise auch im gestiegenen Interesse an veganen Rezepten nieder: Während 2010 nur drei vegane Kochbücher erschienen, waren es 2013 bereits 50, 2014 dann 70, und 2015 sogar 119 Neuveröffentlichungen und ein Jahr später dann schließlich 211.
Dazu kommen 10 Zeitschriften, die sich ausschließlich dem Thema „vegan“ in den Bereichen Lifestyle, Mode oder Kochen widmen.

Bereits im Artikel über die „klassischen Veganer“ haben wir Euch dargelegt, dass Veganer gut gebildet mit eher überdurchschnittlichem Einkommen, weiblich und eher jung sind. In Ballungsgebieten und großen Städten ist der Anteil der Veganer am größten. Die meisten von uns leben in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Regional gesehen sind die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg die mit dem höchsten Anteil an Menschen, die auf Fleisch und Fisch verzichten.

Veganismus – ein weltweiter Trend

Weltweit wird die Zahl der Vegetarier und Veganer auf ca. 1 Milliarde geschätzt. Innerhalb Europas liegen Italien, Österreich, Deutschland und Großbritannien mit etwa 9–10 % Vegetariern vorn. In der Schweiz sind 3% der Bevölkerung Veganer und 11% Vegetarier.

Weltweit liegt Indien mit 38 % Vegetariern an der Gesamtbevölkerung an der Spitze. Es folgt mit 13 % Vegetariern und 5 % Veganern Israel. Israel ist somit das Land mit dem höchsten Anteil an Veganern auf der Welt. Taiwan liegt auf Platz 3 mit 12 % Vegetariern. In den USA geht man von 5 % Vegetariern und 2 % Veganern aus.

Alles in allem also eine tolle Entwicklung. Immer mehr Menschen achten auf eine tierschonende und gesunde Ernährung, denn für tierische Produkte leiden und sterben Lebewesen. Die Massentierhaltung schadet den Tieren aber auch unserer Umwelt, denn sie schädigt die Böden und verbraucht riesige Mengen an Wasser und Getreide und verursacht Unmengen an CO2.

Wir sind viele – aber immer noch nicht genug

Dennoch ist eines klar: Wir werden zwar immer mehr, aber immer noch essen viel zu viele Menschen viel zu viel Fleisch! Der durchschnittliche Fleischkonsum liegt erheblich über der Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie isst der durchschnittliche Deutsche ca. 60 kg Fleisch im Jahr. Diese Menge liegt somit 2–4mal über der gesundheitlichen Empfehlung – diesmal aus gesundheitlicher Perspektive. Aus diesem Grunde freuen wir uns über die wachsende Anzahl Veganer, aber auch über die von uns so oft belächelten Flexitarier, gerne auch Teilzeit-Vegetarier genannt.

Laut einer Untersuchung aus dem Jahre 2015 essen 56 % der Menschen in Deutschland seltener und bewusster Fleisch und gehören somit zu den sogenannten Flexitariern. Und wenn dieser nicht unbedeutende Teil der Bevölkerung kontinuierlich seinen Fleischkonsum einschränkt, dann ist das – rein mengenmäßig – schon mal ein großer Schritt in die richtige Richtung. Denn immer mehr Menschen orientieren sich damit zunehmend an einer gesunden Ernährung beziehungsweise unterstützen durch ihre Wahl der Ernährung das Tierwohl, die Umwelt und reduzieren die Massentierhaltung. In diesem Sinne unsere Botschaft an Euch: Macht weiter so, denn …

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/CasarsaGuru

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