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Veganer Kindergarten: Aufwachsen unter Gleichgesinnten!

Veganer Kindergarten: Aufwachsen unter Gleichgesinnten!

Die Idee gibt es schon lange – jetzt werden überall in Deutschland neue vegane Kindergärten gegründet. Leider noch nicht genug davon.

Ob Kita, Kindergarten oder Kindertagesstätten – obwohl der Gesetzgeber inzwischen jedem Kind in Deutschland einen Platz garantiert, wissen die Eltern unter Euch sicherlich ein Lied davon zu singen, wie schwierig es immer noch ist, eine geeignete Betreuungseinrichtung für unsere lieben Kleinen zu finden. Gerade in Ballungszentren sind die Wartelisten lang. Vor allem, wenn Ihr einen Platz in der unmittelbaren Nachbarschaft sucht. Oder, wenn Ihr einen gewissen Anspruch an die Einrichtung stellt, der Ihr Eure Sprösslinge für die nächsten Jahre anvertrauen möchtet. Jetzt wird sich jeder leicht ausrechnen, wie schwierig es erst recht sein kann, eine Einrichtung zu finden, die auch noch die eigene vegane Lebensweise berücksichtigt.

Wurstfreie Zone Kindergarten?

Ein Kindergarten, der sich nicht nur dem Kinderwohl, sondern auch dem Tierwohl verpflichtet fühlt? Da könnt Ihr lange suchen. Wie die meisten Firmenkantinen sind natürlich auch die Kindergärten in Deutschland in der Regel Wurst- und Schnitzelzonen. Zwar gibt es auch Kindergärten, die in irgendeiner Form eine Art veganes Essensangebot haben. In der Regel sind das aber dann nur die Beilagen des „Standardmittagessens“. Zudem bringen viele Kinder von zu Hause Essen mit – sei es Gummibärchen, Milchprodukte oder die berühmte Wurstsemmel, die sie dann genüsslich den Veggie Kids unter die Augen halten beziehungsweise unter die Nase reiben. Damit macht man natürlich die veganen Kinder gleich zu Außenseitern.

Kein Wunder, dass vegane Familien überall in Deutschland inzwischen selbst die Initiative ergreifen und aktuell wie in München oder Frankfurt in Eigenregie vegane Kindergärten oder vegane Kitas gründen. Wie groß die Nachfrage danach ist, beweist die Tatsache, dass diese Kindergärten in kürzester Zeit sofort belegt waren.

Aber wollen wir das überhaupt? Sollen unsere Kinder von den anderen Kindern von Anfang an getrennt werden? Sind vegane Kindergärten besser? Und was ist von warnenden Stimmen wie der Gesellschaft für Ernährung zu halten, die erklärt, die Entwicklung und die Gesundheit der Kinder könne Schaden nehmen?

Grund genug für uns diesem Thema heute einen eigenen Artikel zu widmen und der Frage nachzugehen, was es mit diesen veganen Kindergärten auf sich hat. Sind sie ein Modell für die Zukunft oder tragen sie vielleicht eher zur frühzeitigen unbeabsichtigten Spaltung in der Gesellschaft bei?

Welche Vorteile bietet ein veganer Kindergarten

Keine Frage, wer sein Kind liebt, der wird bei der Erziehung natürlich auch ein Auge auf die richtige und gesunde Ernährung legen. Das ist schon zu Hause häufig ein Problem. Welches Kind würde schließlich von sich aus auf Zucker, Chips, Pizza oder Pommes verzichten und lieber zum gesunden Apfel oder gar zu Spinat oder Blumenkohl greifen? Noch komplizierter wird die Sache, wenn das Kind seine Zeit in der Kita, im Kindergarten oder gar den ganzen Tag in der Kindertagesstätte verbringt. Denn in der Regel werden diese von Cateringfirmen oder nahe gelegenen Firmenkantinen beliefert. Das übliche Essen: kostengünstige Fertiggerichte. Häufig zu fett, mit zu viel Zucker, angereichert mit Geschmacksverstärkern oder Konservierungsmitteln und natürlich total fleisch- und wurstbasiert. Voller Phosphate und Nitritpökelsalze. Die Folge nicht selten: dicke Kinder, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und schlechte Zähne.

Gesünder essen im veganen Kindergarten

In veganen Kindergärten ist das anders. Hier erhalten die Kinder jeden Tag ein vollwertiges, pflanzliches Biomittagessen mit reichlich Gemüse, Früchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Salaten. Statt aufgewärmter Speisen aus der Aluverpackung wird hier das Essen frisch zubereitet, und dabei stehen natürlich saisonale und regionale Lebensmittel im Mittelpunkt. Und das ist zweifellos gesünder als die herkömmliche Ernährung in klassischen Kindereinrichtungen. Statt Wurst und Würstchen kommen also wichtige Vitamine, Mineralien und Nährstoffe auf den Tisch. In München und Frankfurt soll sogar ein Koch eingestellt werden, der über große Erfahrung mit pflanzlicher Kost verfügt.

Schon das spricht dafür, dass es bei veganer Kinderernährung im Kindergarten keineswegs zu Mangelerscheinungen kommen muss. Dass Kinder weder unter Störungen der Blutbildung leiden müssen noch Wachstumsverzögerungen drohen, wenn sie bewusst vegan ernährt werden. Wer mehr darüber lesen will, worauf bei veganer Kinderernährung zu achten ist, kann das in unserem Artikel „Ab welchem Alter kann sich ein Kind vegan ernähren“. Übrigens: Auch das viel erwähnte Vitamin B12 lässt sich bei Kindern sehr gut über Nahrungsergänzungsmittel ausgleichen.

Besser informiert im veganen Kindergarten

Optimalerweise ist man in einem veganen Kindergarten auch besser informiert. Schon aufgrund des veganen Anspruchs wird auf das Thema Ernährung in der Regel auch pädagogisch der Schwerpunkt gelegt. Das beginnt bei der Ernährungsberaterin, die in solchen Kindergärten zum Einsatz kommt, geht über Elternabende und Informationsveranstaltungen, die sich dem Thema widmen, bis hin zur Umwelterziehung. Schließlich sind die Kinder, die in einen veganen Kindergarten gehen, normalerweise von zu Hause aus bereits mit dem Thema vertraut. Doch wenn sie erleben, dass auch andere Kinder vegan leben, ist es für das Selbstvertrauen der Veggie Kids natürlich von Vorteil, nicht von vorherein als Außenseiter bzw. als „Veggie Kid“ abgestempelt zu werden. Vielmehr wird die vegane Lebensweise als etwas Selbstverständliches und Alltägliches erlebt, das den Kindern nicht nur bei ihren Eltern begegnet, sondern inzwischen in immer breiteren Teilen der Gesellschaft auf Zustimmung stößt.

Auch Kinder lieben Tiere

Schließlich sollte man nicht vergessen, dass Tierliebe für Kinder etwas vollkommen Selbstverständliches ist. Das Erlebnis in der Gruppe bestärkt sie dabei. Wenn wir den Kindern als Eltern zu Hause beibringen, keine Insekten oder Kleintiere zu quälen, dann ist es doch recht schwierig zu vermitteln, warum sie im Kindergarten plötzlich das Stück einer toten Kuh oder eines toten Schweins auf den Teller bekommen. Stattdessen lernen die Kinder, dass Tiere Lebewesen sind, die es zu schützen gilt und die nicht eingesperrt werden sollen. Der vegane Kindergarten verzichtet deshalb nicht nur auf Fleisch, Milch und Eier. Auch die üblichen Zoo-, Zirkus oder Bauernhofbesuche werden zum Beispiel von den Gründern des ersten veganen Kindergartens in Frankfurt abgelehnt. Die Absicht dahinter: Kinder sollen Tiere nur in ihrem natürlichen Lebensraum kennenlernen.

Hier scheiden sich sicherlich die Geister. Die große Nachfrage nach weiteren Plätzen in diesen Kindergärten aber zeigt zumindest, dass auch für ein solch ganzheitliches Angebot offensichtlich ein erhöhter Bedarf besteht. Und das wahrscheinlich nicht nur in Frankfurt oder München, sondern überall in Deutschland. Die Frage, ob ein solches Angebot die Gesellschaft spaltet, d. h. das hierdurch eine frühkindliche Selektion erfolgt, können wir deshalb abschließend mit einem klaren „Nein“ beantworten. Vielmehr erleben Veggie Kids unter ihresgleichen die soziale Anerkennung, die sie verdienen. Hier sind sie nicht die Sonderlinge mit den komischen Essgewohnheiten, sondern erfahren Bestätigung und brauchen sich auch vor nichts und niemandem zu rechtfertigen. Allerdings – und das ist der Wermutstropfen – gibt es bislang leider noch viel zu wenige vegane Kindergärten oder vegane Kitas in Deutschland. Aber das ändert sich gerade und auch Ihr könnt zukünftig durch Eigeninitiative kräftig dabei mitwirken, dass es sich noch schneller ändert!

Was meint Ihr dazu? Was sind Eure Erfahrungen? Was macht Ihr mit Euren Kindern? Wir sind gespannt auf Eure Beiträge.

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/petrograd99

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Team von vegawatt
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