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Vegane Kosmetik: Sich gut fühlen, ohne dass Tiere leiden müssen!

Vegane Kosmetik: Sich gut fühlen, ohne dass Tiere leiden müssen!

Vegan bedeutet nicht nur achtsam zu sein bei der Ernährung. Als Veganer möchten wir unsere Einstellung grundsätzlich leben, sei es beim Wohnen, beim Thema Bekleidung und eben auch bei der Körperpflege.

Warum wir heute über die Vorteile veganer Kosmetik berichten möchten? Eigentlich doch logisch, sollte man meinen. Schließlich beschränkt sich Vegan zu leben nicht nur auf die Ernährung. Doch dann wurden wir vor kurzem von einer Freundin, die keine Veganerin ist, mit der verwirrenden Frage zum Thema vegane Kosmetik und vegane Mode konfrontiert: „Wieso vegan? Ich will doch keinen Pullover und auch kein Make-up essen?“

Da haben wir erst mal geschluckt. Denn eigentlich ist es für uns Veganer eine Selbstverständlichkeit und letztendlich konsequent: Als Veganer meiden wir nicht nur alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs. Wir lehnen auch die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten insgesamt ab. Das heißt für uns, dass wir auch bei Kleidung und anderen Waren darauf achten, dass sie frei von Tierprodukten sind und selbstverständlich ohne Tierversuche hergestellt werden. Das unterscheidet uns wahrscheinlich am meisten von den Nichtveganern.

Blattläuse auf den Lippen?

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lehnt zwar Tierversuche zur Herstellung von Kosmetik ab. Vegane Kosmetik definiert sich aber über die Inhaltsstoffe. Und vielen ist gar nicht bewusst, was Kosmetik – und dazu zählen wir jetzt auch mal Duschgels, Haarsprays, Bodylotions oder auch Zahnpasta – alles enthalten.

Tierische Inhaltsstoffe können nämlich in vielen Produkten stecken, ohne dass sie auf den ersten Blick als solche erkennbar sind. Dazu gehören etwa Federn in der Haarpflege, Kollagen aus tierischem Gewebe in Anti-Aging-Cremes oder Talg von Rindern in Seifen oder gar zermahlene Blattläuse als Farbstoff für Lippenstifte.

Es handelt sich dabei um typische Inhaltsstoffe der Kosmetikindustrie, welche für den Laien aber weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick erkennbar sind. Würden die Deklarationen auf den Verpackungen der Kosmetikindustrie mit konkreten Inhaltsstoffen wie z. B. gemahlenen Hufen oder den genannten Blattläusen werben, wer würde sich dann noch genussvoll die Lippen am Morgen rot anmalen?

Viele Begriffe für die gleiche Sache?

Womit wir zum Kernproblem der veganen Kosmetik kommen. Wie erkennt man überhaupt, dass man es mit veganer Kosmetik zu tun hat? Denn es ist uns bei genauer Recherche aufgefallen, dass hier viele Begrifflichkeiten oft austauschbar nebeneinander stehen. Oder worin besteht nun der genaue Unterschied zwischen veganer Kosmetik, veganer Naturkosmetik oder gar zertifizierter Naturkosmetik, und worum geht es dabei überhaupt?

Daher möchten wir die Begriffe etwas erläutern, damit Ihr Euch das nächste Mal leichter im Kosmetik-Dschungel zurechtfindet und bewusst nach veganer Kosmetik greifen könnt.

Naturkosmetik ist nicht gleich vegane Kosmetik

Naturkosmetik zeichnet sich durch Inhaltsstoffe auf pflanzlicher oder mineralischer Basis aus. Auf synthetische Inhaltsstoffe wie Parabene, Silikone oder Paraffine wird in der zertifizierten Naturkosmetik verzichtet. Diese synthetischen Stoffe werden im Gegensatz zur Naturkosmetik in der konventionellen Kosmetik eingesetzt, um Haare und Haut seidig und glänzend zu machen, das Produkt zu konservieren oder um Emulgator Fett und Wasserphase zu verbinden. Für uns Veganer ist in diesem Zusammenhang aber etwas ganz anderes viel wichtiger: Naturkosmetik kann durchaus von Tieren produzierte Inhaltsstoffe enthalten, wie z. B. Bienenwachs, aber etwa auch Milch oder Eier.

Auch zertifizierte Naturkosmetik ist nicht gleich vegane Kosmetik

Auch die Zertifizierung hilft uns dabei nur bedingt weiter: Die Begriffe Naturkosmetik, Bio oder Natürlich sind nämlich gesetzlich nicht geschützt. Daher werden einige Kennzeichnungssiegel verwendet, die dann aus der Naturkosmetik eine zertifizierte Naturkosmetik machen können. Klingt zwar gut – ist aber auch nicht immer vegan.

Eines der bekanntesten Siegel ist das des BDIH, der „BDIH Standard“ für kontrollierte Naturkosmetik. Das Zeichen sagt aus, dass weder bei der Herstellung noch bei der Entwicklung oder Prüfung der Kosmetikprodukte Tierversuche durchgeführt oder in Auftrag gegeben werden. Stoffe, die von Tieren „hergestellt“ werden, wie z.B. Honig sind allerdings zulässig. Für uns Veganer bedeutet das: Tierische Substanzen sind nicht ausgeschlossen. Denn der Gebrauch aus wirbellosen Tieren ist zulässig, der von Wirbeltieren dagegen verboten.

Und noch etwas kommt hinzu, was vom Gesetzgeber nicht wirklich zu Ende gedacht wurde: Tierversuche mit Kosmetikprodukten sind gesetzlich untersagt. Tierversuche mit einzelnen Inhaltstoffen durch die jeweiligen Lieferanten sind davon allerdings nicht betroffen und können folglich nicht ausgeschlossen werden. Da beißt sich die Katze in den berühmten Schwanz. Woher soll man schließlich wissen, ob der Hersteller eines Kosmetikproduktes nicht doch auf Ersatzstoffe zurückgegriffen hat, die den Grundsätzen von Naturkosmetik widersprechen?

Auch Biokosmetik ist nicht gleich vegane Kosmetik

Weitere Siegel, die echte zertifizierte Naturkosmetik garantieren, sind z. B. NaTrue, Eccocert und Demeter. Bei nach NaTrue-zertifizierten Produkten werden die drei Kategorien Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bioanteil und Biokosmetik unterschieden. Welche Stufe das jeweilige Produkt kennzeichnet, ist manchmal auf dem Produkt angegeben, sonst aber im Internet nachzulesen. Das Siegel NaTrue wird also für Produkte mit unterschiedlichem Bioanteil vergeben.

Als solche gekennzeichnete Kosmetikprodukte enthalten keine Inhaltsstoffe, die von oder aus Tieren stammen. Aber auch hier gilt wieder: Da der Begriff „vegan“ nicht geschützt ist bzw. nicht gesetzlich klar definiert ist, kann nicht garantiert werden, dass vegane Biokosmetik ohne jegliche Tierversuche produziert werden.

Ist denn wenigstens vegane Kosmetik vegan?

Nicht jedes Produkt, das sich vegan gibt, verzichtet auf tierische Substanzen. Der Blick auf die verwendeten Inhaltsstoffe führt dabei nicht immer zu mehr Klarheit, da die Hersteller gerne mit eigenen Begrifflichkeiten den tierischen Ursprung einzelner Inhaltsstoffe bewusst verschleiern:

So ist Cera flava die Ausscheidung der Honigbiene (Wachs), welche zur Produktion der Wabe genutzt wird. Bei Keratin handelt es sich um Horn, welches aus zermahlenen Hufen oder Federn hergestellt wird. Für Karmin, den roten Farbstoff, der aus weiblichen Schildläusen gewonnen wird, gibt es z. B. 10 verschiedene Begriffe, z. T. aus kryptischen Buchstaben- und Zahlenverbindungen. Lanolin etwa ist ein aus den Talgdrüsen von Schafen gewonnenes Sekret, das durch die Wäsche von Schafswolle gewonnen wird.

Gütesiegel helfen nur als grobe Orientierung

Gütesiegel, die bei der Suche nach tatsächlich veganen Produkten im Kosmetikmarkt helfen können, sind solche wie z. B. die Veganblume (Sonnenblume im Kreis). Dieses Siegel wird von der Vegan Society England an Produkte vergeben, die frei von tierischen Inhaltsstoffen sind und für die keine Tierversuche durchgeführt oder in Auftrag gegeben werden dürfen. Dies gilt auch für die Zulieferer der Rohstoffe. Eine Einschränkung gibt es jedoch leider auch hier. Denn das Siegel verhindert nicht, dass Produkte nach China exportiert werden, wo bei der Einfuhr Tests an Tieren Voraussetzung für den Verkauf auf dem chinesischen Markt sind. Mit dem Kauf solcher Produkte unterstützen wir Tierversuche dann also indirekt, weil diese Unternehmen mit China zusammenarbeiten. An sich vegan sind sie aber trotzdem.

Ein weiteres Siegel ist der Springende Hase, der Leaping Bunny, welches den Vorgaben des Human Cosmetic Standard unterliegt, der von einem internationalen Verband von Tierschutzorganisationen entwickelt wurde. Nur solche Produkte dürfen dieses Siegel tragen, die von Unternehmen produziert werden, die ab einem festgelegten Stichtag keine Tierversuche mehr durchführen oder beauftragen. Auch die Zusammenarbeit mit solchen Unternehmen ist untersagt. Rohstoffe, die nach diesem Datum getestet wurden, sind nicht zulässig. Außerdem dürfen keine Bestandteile von getöteten oder gequälten Tieren verwendet werden.

Wenn Ihr ganz sichergehen wollt, dass Ihr vegane Kosmetik kauft, die mit keinerlei Tierversuchen in Zusammenhang steht, so findet Ihr z. B. auf der Homepage der Organisation PETA eine Liste mit Kosmetikherstellern, die keine Tierversuche durchführen und zudem garantieren, dass auch ihre Lieferanten dies ebenfalls nicht tun.

Des Weiteren gibt es bei PETA eine große Auswahl an Produkten gelistet, die ohne tierische Inhaltsstoffe produziert sind, also vegan sind. Von PETA USA wird das „Cruelty-Free“ Siegel, ein Häschen mit rosa Ohren eingesetzt, das gegebenenfalls den Zusatz „vegan“ erhält.

Fazit

Fassen wir das Gesagte zusammen, kommen wir zu folgendem Schluss: Gütesiegel können zwar eine grobe Orientierung im Dschungel der Kosmetik anbieten. Sie decken aber nicht alle gewünschten Kriterien ab. Da es keine einheitlichen gesetzlichen Grundlagen bei der Definition von Bio oder Naturkosmetik oder Vegan gibt, wird dies von den Produzenten im Markt gerne dazu ausgenutzt, ein Produkt als Bio- oder grüne Kosmetik zu positionieren oder zu deklarieren, obwohl es das eigentlich entweder von den Inhaltsstoffen oder von der Produktion her gar nicht ist.

Unser Fazit: Naturkosmetik ist nicht automatisch vegan und vegane Kosmetik ist nicht immer ohne Tierversuche hergestellt. Als Verbraucher muss ich mich also immer wieder informieren, Gütesiegel als Hilfestellung nutzen oder z. B. die von PETA veröffentlichen Listen konsultieren bzw. im Zweifelsfall den Hersteller kontaktieren.

Lohnt sich nun aber der Aufwand? Wir denken auf jeden Fall ja. Denn die Vorteile veganer Kosmetik liegen auf der Hand. Und das nicht nur unter Tierschutzgesichtspunkten.

Welche Vorteile hat vegane Kosmetik?

  • Die vegane Kosmetik nutzt die natürlichen Inhaltsstoffe aus der Natur und vermeidet den Einsatz synthetischer Inhaltsstoffe oder Chemikalien, die die Haut reizen oder gar krankmachend wirken können.
  • Vegane Kosmetik ist nachhaltig, denn die verwendeten Rohstoffe sind nachwachsend und vor allem biologisch abbaubar. Außerdem können sie von der Haut gut aufgenommen werden.
  • Die Hersteller von veganer Kosmetik sind überzeugt davon, dass zu 100% pflanzliche Wirkstoffkombinationen am reinsten, wirksamsten und hautverträglichsten sind.
  • Vegane Kosmetik ist deshalb für alle Menschen mit empfindlicher Haut zu empfehlen.

Do it Yourself

Wer zu 100% auf Nummer sicher gehen will, dass tatsächlich nur ethisch und physisch verträgliche Inhaltsstoffe in den Kosmetikprodukten enthalten sind und dabei auch noch Geld sparen möchte, fertigt sich seine Cremes und Peelings am besten selbst an. Habt Ihr vielleicht sogar schon mal gemacht? Dann her mit Euren Tipps. Wir sind gespannt auf Eure Rezepte.

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/elfgradost, iStock.com/everydayplus

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