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vegan leben

Vegane Aktien: Bulle oder Bär?

Wir essen vegan. Wir kleiden uns vegan. Wir schminken uns vegan. Und was ist mit veganen Aktien? Ist bei der Geldanlage auch ein veganer Lebensstil möglich?

Tja, schon seltsam. An der Börse redet man von Bullen und Bären. Gemeint sind damit natürlich keine Tiere. Die Begriffe stehen vielmehr symbolisch für das Auf und Ab an den Handelsplätzen dieser Welt. Der Bulle simuliert an der Börse das »Auf«, weil er mit seinen Hörnern von unten nach oben stößt und jederzeit vorwärts stürmt, während der Bär mit seinen Tatzen von oben nach unten angreift und sich eher schwerfällig bewegt. Je nach Börsenlage wird der derzeitige Stand in der Fachsprache auch gerne als »bullish« oder »bearish« bezeichnet. Entsprechend wird auch häufig vom »Bärenmarkt« bei fallenden Kursen oder dem »Bullenmarkt« bei steigenden Kursen gesprochen.

Aber nicht nur deshalb hat man als Veganer zunächst eher ein skeptisches Gefühl, sich mit den internationalen Handelsmärkten zu beschäftigen. Schließlich sind nicht wenige von uns der Auffassung, dass die großen ökonomischen Entscheidungen dieser Welt – auch börsengetrieben – nicht unbedingt mit dem Tierwohl und dem Erhalt unserer Umwelt in Einklang zu bringen sind.

Deshalb waren auch wir am Aktienmarkt bislang nicht aktiv. Doch dann wurden wir unlängst von einem Bekannten, der in dem Bereich arbeitet, darauf hingewiesen, dass es eigentlich falsch wäre, gerade als Veganer die Augen vor den Entwicklungen an den Börsen zu verschließen. Schließlich könnten wir den veganen Lebensstil auch dadurch unterstützen, dass wir vegan, also tierfrei investieren.

Tierfrei investieren

Wow, dachten wir. Gibt es denn so etwas? Kann man tatsächlich vegane Aktien erwerben? Gibt es spezielle vegane Anlagemöglichkeiten, vegane Aktiengesellschaften und Börsengeschäfte, die sich dem Tierwohl verpflichtet fühlen? „Ja, die gibt es tatsächlich,“ bestätigte unser Bekannter. Also haben wir uns informiert und für Euch ein paar Tipps zusammengetragen.

Doch eins vorweg: Wenn jemand von Euch Geld zu viel hat, kann er ohne schlechtes Gewissen in vegane Anlagemöglichkeiten investieren. Aber da wir, wie gesagt, von dem Thema nicht wirklich eine Ahnung haben, geben wir Euch diese „Aktien-Tipps“ nur unter Vorbehalt weiter. Weder garantieren wir für enorme Gewinne, noch wollen wir für eventuelle Verluste geradestehen. Aber grundsätzlich scheint sich eine Investition in vegane Aktien für die Zukunft durchaus zu lohnen. Und dafür gibt es gute Gründe. Der Wichtigste: Vegan ist im Trend.

Vegan boomt. Das ist einfach so.

Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Käse, Joghurt, Honig und alles andere, das von Tieren stammt. Der vegane Lebensstil ist angesagt. Schätzungen gehen von 1,2–1,5 aktiven Veganern alleine in Deutschland aus. Dazu kommen noch ca. doppelt so viele Teilzeit-Veganer und etwa 8 Millionen Vegetarier. Da Veganer und Vegetarier zudem in der Regel überdurchschnittlich gebildet sind, meist auch überdurchschnittlich gut verdienen, gelten sie inzwischen auch für die Industrie als attraktive Zielgruppe.

Denn auch das hat sich herumgesprochen: Die fleischfreie Ernährung ist mehr als ein kurzer Hype. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig und freut sich wachsender Beliebtheit. Auch das Angebot an veganen Supermärkten und Restaurants wächst und wächst.

Aber nicht nur für die Lebensmittelindustrie bringt dies erhebliche Veränderungen und boomende Geschäftsmodelle mit sich. Auch bei Kosmetika, Möbeln und Kleidung wird immer mehr nach veganen Produkten gefragt. Ledersofas, Ledersitze in Autos, Daunen- und Lederjacken, Lederschuhe, Wollsocken, das alles kommt für uns Veganer nicht infrage. Deshalb ist inzwischen in vielen Bereichen eine neue vegane Volkswirtschaft entstanden. Und weil es sich dabei um einen schnell wachsenden Markt handelt, wird der natürlich auch für die Börsianer interessant.

Was sind vegane Aktien

Bevor wir Euch einige vegane Aktien vorstellen, noch kurz zur Definition. Es gibt schließlich viele Unternehmen, die vegane Produkte vertreiben. Wir reden jetzt aber nicht von Smartphone oder Computer-Herstellern. Schon klar, dass die, wenn man so will, natürlich auch vegan sind.

Auch gehören für uns nicht solche Unternehmen dazu, die nur einzelne vegane Produkte vertreiben, wie beispielsweise einige der großen deutschen Fleischkonzerne wie Tönnies, Vion oder die Rügenwalder Mühle, die zwar vegane Bouletten auf den Markt werfen, ihr Hauptgeschäft aber mit der Abschlachterei und Massentierhaltung machen. Mit einer Aktie erwirbt man schließlich Anteile am gesamten Unternehmen. Aber Unternehmen, die in irgendeiner Weise Tiere nutzen, wollen wir natürlich nicht unterstützen.

Wenn Ihr Euch allerdings auf echte vegane Aktien stürzt, dann solltet Ihr darauf achten, dass diese Aktiengesellschaften etwas herstellen, das als Ersatz für tierische Produkte dient, also zum Beispiel Hersteller von Lebensmitteln, die keine tierischen Bestandteile enthalten. Oder Unternehmen, die unsere vegane Lebensweise durch ihr Angebot unterstützen.

Wenn Ihr das Ganze etwas weiter fassen möchtet, könntet Ihr natürlich zum Beispiel Aktien in Euer Depot legen, die zwar vom veganen Trend profitieren, aber nicht als rein vegan gelten können: Bio-Supermärkte beispielsweise verkaufen viele vegane Produkte, aber sie bieten auch Fleisch oder Milch, Honig und anderes an.

Auch wir haben einige Beispiele mit aufgenommen, die nicht hundertprozentig vegan sind, aber doch in wesentlichen Teilen mit unseren Vorstellungen übereinstimmen. Wie bereits erwähnt, wollen wir damit aber weder eine Investitionsempfehlung abliefern, noch den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sondern lediglich eine kleine Orientierungshilfe geben:

AGT Food and Ingredients
Das Unternehmen aus Kanada ist einer der weltweit führenden Hersteller von Hülsenfrüchten, Grundnahrungsmitteln und Lebensmittelzutaten. Zu den Produkten gehören beispielsweise Linsen, Erbsen, Bohnen, Reis sowie Nudeln und Grieß – also quasi das täglich Brot für uns Veganer. Das Unternehmen verarbeitet und veredelt die Produkte in den hauseigenen Fabriken und vertreibt sie anschließend weltweit unter dem Namen AGT Foods.

Natura Cosmeticos
Der brasilianische Kosmetikhersteller Natura Cosmeticos bietet zertifizierte Naturkosmetik an und hat schon früh vergleichsweise hohe Umwelt- und Sozialstandards eingeführt. Das heißt, hier gibt es weder Tierversuche noch Gentechnik. Palmöl wird ausschließlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft bezogen, die Zulieferer beim Bio-Anbau unterstützt. Produziert wird hauptsächlich in Brasilien, Vertrieben werden die Produkte in Lateinamerika und Europa. Die Aktie wird an der São Paulo Stock Exchange und an der US-Börse Nasdaq gehandelt, jedoch an keiner deutschen Börse.

Hain Celestial Group
Die Hain Celestial Group ist im Bereich gesunder veganer Ernährung engagiert. Durch die Übernahme des Vegan-Spezialisten Mona Group weitete das amerikanische Unternehmen seine Geschäfte seit 2015 auch in Europa aus. Mona bietet insbesondere vegane Joghurts, Tofu und Nachspeisen in Europa und dem Mittleren Osten unter den Marken Joya und Happy an. Zum Unternehmensverbund von Hain gehören zudem die Vegan- und Natur-Marken Alba Botanica, Avalon Organics und JASON.

Koninklijke Wessanen
Koninklijke Wessanen ist ein niederländisches Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Fairtrade-Produkten spezialisiert hat. Das heißt, wir sind hier nicht im reinen veganen Segment, sondern die Produkte gehören vor allem in den Bereich der organischen und vegetarischen Lebensmittel. Wessanen ist der Sammelname für eine ganze Reihe sehr bekannter, vielfach deutscher Bio-Marken, darunter die Allos Hof-Manufaktur aus Bremen mit Marken wie Allos, de Rit und Tartex.

John B. Sanfilippo & Son
John B. Sanfilippo & Son ist einer der größten Nussproduzenten der USA. Vertrieben wird alles, was das Veganer-Herz höherschlagen lässt: Mandeln, Walnüsse, Paranüsse, Haselnüsse und so weiter. Rein vegan ist die Aktie allerdings nicht, denn das Unternehmen stellt auch Snacks mit Schokolade, Joghurt und Buttertoffee her.

The WhiteWave Foods Company
Das amerikanische Unternehmen WhiteWave Foods stellt unter anderem Milch-Ersatzprodukte für Veganer her. Die Company wurde ursprünglich aus dem Dean Foods Konzern ausgegliedert und befasst sich mit Lebensmitteln und Getränken, die auf pflanzlicher Basis hergestellt werden. Dabei geht es hauptsächlich um Milch-Alternativen, Zielgruppe sind Veganer – aber nicht nur. In 2015 hat WhiteWave Foods unter anderem auch den Vegan-Spezialisten Vega für 550 Mio. US-$ übernommen.

Fazit

Wie Ihr seht, ist es gar nicht so einfach, „reine“ vegane Unternehmen zu finden, die an der Börse gehandelt werden. Viele dieser Unternehmen vertreiben eben nicht ausschließlich vegane Produkte. Wenn Ihr aber ohnehin an den Aktienmärkten investiert, schadet es zumindest nicht, wenn Ihr Eure Aktiengeschäfte auch mit veganen Aktiengesellschaften macht beziehungsweise mit Unternehmen, die auf den Megatrend „vegan“ gerne aufspringen. Zumindest scheinen Aktienpreis, Dividende und Entwicklung dafür zu sprechen, dass Ihr Euer Geld damit nicht nur unter ökologischen, sondern auch unter ökonomischen Gesichtspunkten gut anlegt.

Wenn unter Euch jemand noch gute vegane Aktien-Tipps hat, dann her damit. Wie gesagt, wir fühlen uns in diesem Bereich tatsächlich nicht als Experten und sind deshalb für jede Empfehlung dankbar.

In veggies we trust!

Foto: iStock.de/Nikada

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