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vegan leben

Vegan ist in! Aber nicht immer drin.

Vegan oder Etikettenschwindel? Es ist nicht immer einfach, echte vegane Produkte von pseudo-veganen zu unterscheiden. Wir zeigen Euch, worauf Ihr achten solltet.

Wir sind ja nun wirklich nicht erst seit gestern Veganer. Allerdings auch noch nicht so alt, dass man uns zu den veganen Pionieren zählen könnte. Vor Kurzem waren wir allerdings bei einem Vortrag und trafen dort auf jemanden, der bereits seit über 30 Jahren vegan lebt. Für uns gehört er damit auf jeden Fall schon mal in die vegane Hall of Fames. Interessant war, als er uns über seine Anfangsphase berichtete. Im Prinzip hat er seinen Lebensstil auch nicht großartig geändert. Und ein wenig kritisch äußerte er sich vor allem dahin gehend, dass inzwischen fast an jeder Ecke – ob im Supermarkt oder im Internet – mit der Bezeichnung vegan geworben wird. Vor allem bezweifelte er, dass da überall tatsächlich vegan drin ist, wo vegan draufsteht. Er hat uns dann auch gleich ein paar konkrete Beispiele genannt. Wissen, das wir heute gerne mit Euch teilen möchten.

Mit „Vegan“ lässt sich Geld verdienen

Tatsächlich erscheint es uns so, dass die allgemeine Entwicklung hin zum veganen Lebensstil, zu mehr Tierfreundlichkeit, zu veganen Lebensmitteln und zu einer gesunden leichteren Küche auch die Begehrlichkeiten der Massen-Industrie geweckt hat. Oder anders formuliert, dass inzwischen das Label „Vegan“ zu einem Verkaufsschlager geworden ist, mit dem sich richtig gut Geld machen lässt. Die Folge davon ist allerdings auch, dass Dinge als vegan bezeichnet werden, die eigentlich gar nicht vegan sind. Aber durch das Label „vegan“ teurer verkauft werden können, als wenn sie kein Label tragen.

Aber ist das überhaupt legal? Darf man etwas als vegan bezeichnen, das gar nicht echt vegan ist? Ja, darf man leider. Warum? Weil die Bezeichnung „vegan“ nicht geschützt ist und lebensmittelrechtlich nicht klar definiert ist. Das heißt, dass jeder Hersteller auf seine Produkte „vegan“ schreiben darf. Denn es gibt dafür bislang im Grunde keine gesetzlich vorgeschriebene Kontrolle der Inhaltsstoffe.

Bei sauren Gurken zum Beispiel kann das Wasser tierische Bestandteile haben. Auch sind viele Produkte mit Gelatine oder Fischblase geklärt, oder es werden ihnen Farb- und Aromastoffe tierischen Ursprungs beigefügt, ohne dass dies auf dem Etikett zu erkennen ist. Trotzdem sind sie weder vegan noch vegetarisch.
Sind wir dem als Veganer schutzlos ausgeliefert? Nicht ganz.

Achtet auf die Qualitäts-Siegel

Zum Glück gibt es auch geschützte Qualitätssiegel, wie die Veganblume oder das V-Label für vegetarische und vegane Produkte. Das V-Label ist international geschützt. Allein in Deutschland sind damit etwa 5000 vegane Lebensmittel ausgezeichnet. Mit der V-Label-Zertifizierung könnt Ihr zum Beispiel sichergehen, dass auch die Zutatenliste überprüft worden ist. Dabei wird genau darauf geachtet, dass keine Produktionshilfsstoffe und Trägerstoffe von Vitaminen und Aromen tierischen Ursprungs enthalten sind. Außerdem wird damit garantiert, dass keine Tierversuche durchgeführt wurden.

Vegan oder nicht vegan?

Nun gibt es eben aber auch viele Waren neben den Lebensmitteln, die als vegan bezeichnet werden oder von denen wir als Verbraucher einfach annehmen würden, sie seien vegan, die aber in Wahrheit doch versteckte tierische Bestandteile enthalten können. Und weil dies eben auf den ersten Blick nicht immer so einfach zu entdecken ist, haben wir für Euch die Produkte zusammengetragen, bei denen das häufiger der Fall ist.

Wein und Fruchtsäfte

Die Themen Wein und Fruchtsäfte haben wir bereits an anderer Stelle ausführlich behandelt. Eigentlich sollte man meinen, dass es sich dabei um rein pflanzliche Produkte handelt. Stimmt aber leider oftmals nicht. Denn zum Filtern beziehungsweise zur Klärung werden häufig tierische Bestandteile wie Gelatine vom Schwein, Sehnen, Knochen, Knorpel oder auch Fischblasen verwendet. Da diese Substanzen nach der Produktion entfernt werden, muss sie der Hersteller auf dem Etikett nicht aufführen. Blöd für uns als vegane Verbraucher. Leider gut für die Industrie.

Chips

Chips bestehen aus Kartoffeln. Das ist die gute Nachricht. Die Schlechte: Bei den meisten Chipssorten verwenden fast alle Hersteller tierische Bestandteile als Trägerstoffe von Aromen. Je nach Sorte kommen Wild, Geflügel, Rind oder Schwein zum Einsatz. Auch hier werdet Ihr darüber in der Regel nichts auf der Verpackung finden.

Brot

Brot ist vegan. Nur das, was drauf kommt, ist `ne Sünde. Auch das können wir so leider nicht per se unterstreichen. In vielen Backwaren kommt die Aminosäure L-Cystein zum Einsatz, die dazu dient, Mehle leichter knetbar zu machen. Der Teig ist so leichter zu verarbeiten. L-Cystein wird allerdings aus Schweineborsten und Vogelfedern gewonnen. Und auch hier besteht keine Kennzeichnungspflicht. Falls Euch der Bäcker keine Garantie geben kann, dass er hier nicht zu solch einer Backmischung gegriffen hat, bleibt als beste Alternative: selber backen!

Kosmetik

Auch worauf Ihr bei der Kosmetik achten solltet, haben wir Euch bereits ausführlich informiert. Deshalb hier kurz zusammengefasst: In herkömmlicher Kosmetik verstecken sich oftmals tierische Substanzen wie Schildläuse, Bienenwachs, Gelatine, Lanolin (Wollfett), Keratin oder Fischschuppen. Wenn Ihr allerdings ausschließlich Produkte mit den bekannten veganen Siegeln kauft, solltet Ihr davor geschützt sein, mit totem Tier im Gesicht herumlaufen zu müssen.

Putzmittel

Genau wie bei den Kosmetikartikeln sind auch in den meisten Reinigungsmitteln und in Waschpulver Tenside als Schmutzlöser enthalten. Diese bewirken, dass zwei nicht mischbare Flüssigkeiten vermengt werden können. Das ist zwar praktisch für die Reinigung, nicht aber unbedingt auch für den Tierschutz. Denn Tenside werden häufig aus tierischen Fetten gewonnen.

Es gibt zwar auch Tenside aus nicht tierischen Fetten, diese sind aber oftmals auf Erdöl- oder Palmölbasis hergestellt. Und damit stehen wir vor der gleichen umweltunfreundlichen Alternative wie bei den Kerzen.

Kerzen

Wenn Ihr auf einen romantischen Abend mit Kerzenlicht nicht verzichten möchtet, könnt Ihr zu Kerzen aus Paraffin oder Palmöl-Stearinsäure greifen. Beides ist allerdings aus ökologischer Sicht nicht unumstritten. Paraffin wird aus Erdöl gewonnen. Und Palmöl steht ohnehin und wie wir denken zu Recht in der Kritik. Standard-Kerzen werden hingegen in der Regel aus Bienenwachs oder tierischen Fetten gewonnen. Dann vielleicht doch eher die LED-Leuchte?

Kondome

Da wir schon beim Thema Romantik sind: Konsequent vegan zu leben kann ganz schön hart sein. Denn auch bei Kondomen ist nicht alles Gold, was glänzt. Bei der Herstellung wird zur Verarbeitung des Kautschuks das Milchprotein Kasein verwendet. Aber zum Glück gibt es auch hier inzwischen vegane Alternativen, die entsprechend gelabelt sind.

Reifen

Bleiben wir noch ein wenig beim Gummi. Für Tiere bremsen reicht nicht, um mit gutem Gewissen als Veganer über die Straßen zu jagen. Viele Gummimischungen von Auto- und Fahrradreifen enthalten den Zusatzstoff Stearinsäure, der normalerweise aus tierischen Fetten hergestellt wird. Auch hier empfiehlt es sich, im Zweifel beim jeweiligen Reifenhersteller nachzufragen.

LCD-Bildschirme

Kaum zu glauben, aber wahr. Nicht einmal fernsehen oder Computer spielen lässt es sich heutzutage noch mit gutem Gewissen. Denn auch in technischen Geräten werden oft tierische Bestandteile verarbeitet. Genauer gesagt tierisches Cholesterin. Es wird aus den Zellmembranen von Tieren gewonnen und in Form von flüssigen Kristallen zum Beispiel bei der Produktion von LCD-Bildschirmen für Fernseher und Computer, Displays von Smartphones oder Kameras genutzt.

Klebstoff

Wenn Ihr an Euren Händen nicht im wahrsten Sinne des Wortes das Blut toter Tiere kleben haben wollt, dann müsst Ihr auch bei Klebstoffen die Augen offen halten. Holzleime werden oft mit Glutin oder Kasein hergestellt. Glutin wird durch das Auskochen von Tieren gewonnen, Kasein ist, wie bereits erwähnt, ein Bestandteil von Kuhmilch. Auch bei Etiketten auf Flaschen oder Gläsern ist Vorsicht geboten, weil hier kaseinhaltige Kleber verwendet werden. Infos dazu findet Ihr teilweise auf den Webseiten der Getränkehersteller. Ansonsten einfach fragen.

Zigarettenfilter

Rauchen kann tödlich sein. Leider auch für Tiere. Denn die Hersteller von Zigarettenfiltern verwenden teilweise Hämoglobin. Der Eiweißstoff wird aus Schweineblut gewonnen und dient dazu, Schadstoffe aus dem Tabakrauch zu filtern. Listen veganer Zigarettenmarken findet Ihr im Internet.

Fotoabzüge

Die meisten von Euch fotografieren sicherlich digital und damit vegan. Wer jedoch auf der Retro-Welle schwimmt und auch analog fotografiert, sollte den Fokus auf die Abzüge legen. Denn hier wird häufig tierische Gelatine als Schicht auf Negativen und Fotopapieren benutzt. Auch hier gilt deshalb: Sicherheitshalber den Hersteller nach der genauen Zusammensetzung des Fotopapiers fragen.

Zahnpasta

Auch zum Thema Zahnpasta findet Ihr bei uns eigene Artikel mit einer Liste bedenkenloser vegan gekennzeichneter Zahnpasten. Tatsächlich enthalten viele herkömmliche Produkte nicht selten tierische Bestandteile. Neben Bienenwachs und -pollen auch tierische Fette (Glycerin) und tierisches Knochenmehl, das als schleifende Substanz in der Zahncreme verwendet wird.

Fazit

Schon erschreckend, wenn man sich vor Augen führt, wo überall Tier drin steckt. Wer für sich also den Anspruch hat, 100 Prozent vegan zu leben, muss trotzdem nicht panisch rund um die Uhr die Augen und Ohren offen halten und hinter jeder Ecke eine Mogelpackung vermuten. Beim Essen seid Ihr in der Regel schon mal auf der sicheren Seite, wenn Ihr statt Fertig- und Halbfertigprodukten frische Produkte kauft und diese dann auch selbst zubereitet.

Aber nicht jeder hat natürlich die Zeit oder auch die Lust, sein Brot selbst zu backen, Orangen zu pressen, statt Säfte zu kaufen oder gar Kartoffelchips selbst herzustellen (obwohl gerade das als Alternative aus Möhren, Roter Bete oder Pastinaken durchaus Spaß machen kann und äußerst lecker schmeckt).

In dem Fall hilft trotz der geäußerten Bedenken ein Blick auf die bekannten veganen seriösen Siegel. Ansonsten bleibt es für uns Veganer und Veganerinnen beim Einkaufen unerlässlich, Zutatenlisten und Kleingedrucktes sorgfältig zu studieren. Denn nur so lässt sich der eine oder andere unerwartete tierische Zusatzstoff auch entdecken und vermeiden.

Habt Ihr eventuell weitere kritische Produkte, die wir vergessen haben? Dann schreibt uns.

In veggies we trust!

Foto: iStock.de/Olivier Le Moal

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