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Sind Veganer eigentlich Veganerinnen?

Sind Veganer eigentlich Veganerinnen?

Wie sieht der klassische Veganer aus? Wir stellen die Geschlechterfrage und gehen dem Warum auf den Grund.

Wir kennen alle die typischen Klischees, wenn es um Frauen und Männer geht. Männer fragen nicht nach dem Weg, haben nur Sex im Kopf, sind immer gleich todkrank und können natürlich nicht über Gefühle reden. Frauen wiederum können nicht einparken, reden grundsätzlich zu viel, haben keinen Orientierungssinn und achten viel mehr auf ihr Äußeres. Auf ihre Ernährungs- und Lebensweise bezogen heißt das, dass Frauen ständig auf Diät sind und sich am liebsten von Salat und Müsli ernähren, während das typische Männergericht aus Fleisch, Fleisch und Fleisch besteht.

Angesichts dieser klassischen Stereotypen müsste man eigentlich davon ausgehen, dass der Mann als klassischer Fleischesser unter Veganern vollkommen unterrepräsentiert ist. Ja, dass es den veganen Mann so eigentlich gar nicht geben dürfte. Ist das so? Wir liefern Euch ein paar statistische Facts und erläutern das Thema näher für Euch.

Wie ist das mit der Geschlechterverteilung bei uns Veganern überhaupt?

Eigentlich sollten wir annehmen, dass eher Frauen vegan leben. Sie achten mehr auf ihre Figur und die Gesundheit, ernähren sich bewusster und kümmern sich als per se soziale Wesen wahrscheinlich auch mehr um die Umwelt. Während Männer als ehemalige Jäger und heute noch klassische Fleischesser – insbesondere die echten kernigen Exemplare davon – niemals auf tierische Produkte verzichten würden. Wenn Männer also auf Fleisch verzichten oder gar der veganen Lebensweise anhängen, dann sind das sicher keine echten Kerle, sondern eher eine weichgespülte Variante davon. So weit also die gängigen Stereotypen, die der eine oder die andere auch so verinnerlicht hat.

Wenn Ihr aber mal so bei den Promis schaut, die sich zur veganen Lebensweise bekennen, so sind es mit Nathalie Portman, Gwyneth Paltrow, Demi Moore, Anne Hathaway, Martina Navratilova oder Venus Williams Frauen, die erfolgreich im Sport oder in der Schauspielkunst sind, also Bereiche, in denen ein gesunder Körper durchaus wichtig ist.

Bei den Männern erfüllen Musiker wie Chris Martin oder Schauspieler wie Toby Maguire oder Ben Stiller den zu erwartenden Typus des eher soften Mannes als Gegenentwurf zum kernig-coolen Typ. Aber wer hätte erwartet, dass sich auch so „richtige“ Kerle wie Anthony Kiedis, Moses Pelham, Usher oder Woody Harrelson als vegane Männer outen? Oder wer von Euch hätte gedacht, dass der ehemalige Box-Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson ein bekennender Veganer ist?

Da scheint die oben aufgeführte These nicht ganz hinzuhauen. Wie steht es nun tatsächlich um das statistische Potenzial der Veganer und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?

Wir Veganer werden stetig mehr

Die pflanzliche Ernährung wird immer beliebter: Wie verschiedene Erhebungen zeigen, steigt der Anteil der Veganer (aber auch Vegetarier) an der Gesamtbevölkerung von Jahr zu Jahr stetig. Aktuell geht man von ca. 1,3 Mio. Menschen aus, die sich in Deutschland rein pflanzlich ernähren. Das sind etwa 1,6 % der Gesamtbevölkerung. Laut Schätzungen kommen täglich etwa 2000 Vegetarier und 200 Veganer hinzu.
Der wachsende Trend spiegelt sich auch in der Entwicklung wider: Vor 10 Jahren waren es laut nationaler Verzehrstudie erst 80.000 Menschen. Die Zahl der sich pflanzlich ernährenden Menschen wird auch in den nächsten Jahren ansteigen, denn immer mehr Menschen erkennen die Vorteile einer veganen Lebensweise für die Tiere, die Umwelt und die eigene Gesundheit. Weltweit wird die Zahl der vegetarisch-vegan lebenden Menschen bereits auf etwa eine Milliarde geschätzt.

Veganer sind eher überdurchschnittlich gebildet

Alle Statistiken beweisen: Mit steigendem Bildungsstand nimmt auch der Anteil der Männer und Frauen zu, die sich pflanzlich ernähren. Hinzu kommt eine großstädtische Ausprägung, da die meisten Veganer und Vegetarier in Großstädten ab 500.000 Einwohnern leben. Außerdem scheinen Menschen, die sich pflanzlich ernähren, im Vergleich zu Fleischessern ein größeres politisches Interesse und eine liberalere Einstellung zu haben. Ist irgendwie auch logisch – schließlich sind viele von uns ja genau deshalb Veganer, weil wir die bestehenden Verhältnisse infrage stellen und uns über die Zusammenhänge von Massentierhaltung, Umweltzerstörung und Hunger in der sogenannten dritten Welt eben mehr Gedanken machen als andere.

Veganer zu sein, bedeutet aber auch sich inhaltlich mit dem Thema der Ernährung stärker auseinandersetzen zu müssen. Als Veganer wissen wir zum Beispiel, dass unser Speiseplan so zusammengestellt werden sollte, dass sich die pflanzlichen Eiweiße ergänzen, mit Kalzium angereicherte Lebensmittel konsumiert werden, Vitamin C mit eisenhaltigen Nahrungsmitteln verzehrt wird, damit es nicht zu einer Mangelernährung kommt. Das setzt natürlich ein gewisses Interesse an den Hintergründen und Motiven einer veganen Lebensweise voraus. Aber auch die Muße sich Zeit dafür zu nehmen. Frauen sind dazu offensichtlich eher bereit als Männer. Das Ergebnis: eine ungleiche Verteilung der Geschlechter innerhalb der Veganer.

Veganer sind eher weiblich und jünger

Ganz überraschend kommt das jetzt nicht: Unter Frauen ist die vegane Lebensweise weiter verbreitet als unter Männern. Laut Studien sind tatsächlich etwa 70 % Frauen und 30 % Männer. Repräsentative Umfragen in anderen Ländern, z. B. England und USA kommen zu ähnlichen Verhältnissen (England 63 % Frauen bei den Veganern, USA 79 % Frauen). Außerdem ist der Anteil der 20–29 jährigen sowie der 60–69 jährigen am höchsten.

Diese Unterschiede haben aber weniger etwas mit der biologischen Bestimmung zu tun. Hier spielen vielmehr gesellschaftliche Erwartungen eine Rolle: Während Fleisch und Alkohol als „starke“, also männliche Nahrungsmittel gelten, werden Gemüse und Obst eben als „schwache“ und weibliche Nahrungsmittel bezeichnet. Hinzu kommt, dass die „typische“ weibliche Ernährung oft auch vom Wunsch nach Attraktivität geleitet und daher auch entsprechend gesünder ist.

Vegane Partnersuche

Dieses ungleiche Verhältnis bringt uns zu einem weiteren Thema, das dann wiederum für die ein oder andere Veganerin zum Problem werden kann. Denn nicht selten ist es so, dass beziehungstechnisch vegane Frauen zwar auf der Suche nach einem veganen Partner sind, sich in der Realität aber häufig mit einem Fleischesser abgeben müssen. Weil es einfach zu wenig vegane Männer gibt.

Laut einer Befragung der alternativen Datingplattform „Gleichklang.de“ wünschte sich mehr als die Hälfte der befragten Veganerinnen einen ebensolchen Partner. Andererseits lebt aber knapp die Hälfte der Befragten mit einem Fleischesser zusammen. Bei den Frauen 53 %, bei den Männern nur 29 %. Angesichts des Männermangels, auf einen veganen Mann kommen drei vegane Frauen, bleibt den Frauen da oft keine Alternative, auch wenn das Zusammenleben mit einem gleich gesinnten Partner sicher unproblematischer ist. Die gute Nachricht: Es konnten bislang auch keine höheren Trennungsraten bei einer Umfrage unter vegan-Fleisch essenden Paaren festgestellt werden. Da aber die Zahl der Veganer täglich zunimmt, sollte sich der ein oder andere Fleisch essende Kerl nicht mehr allzu sicher sein, dass das in Zukunft auch so bleiben wird (Ha ha ha!)

Fazit

Der typische Veganer ist laut einer Studie der YouGov Deutschland AG im Schnitt etwa 31 Jahre alt, weiblich und lebt seit etwa 1–2 Jahren vegan und wünscht sich einen ebensolchen Partner, der aber deutlich unterrepräsentiert ist.

Was tatsächlich auch mit der angesprochenen Wahrnehmung des Themas Fleischs zu tun hat. Fleischessen gilt als männlich, das Fleisch steht nicht nur für das Nahrungsmittel, sondern auch für bestimmte Werte. Fleisch gilt seit ältesten Zeiten als wertvolle Nahrung, die Energie des getöteten Tieres geht auf den Esser über und bestätigt seine Rolle als führendes Lebewesen. Da scheint schon die Angst zu bestehen, dass mit dem Verzicht auf das Fleisch auch die damit verbundenen Attribute flöten gehen. Aber offensichtlich steigt ja mit der Anzahl der sich pflanzlich ernährenden Menschen auch der Anteil der Männer. Und wenn dann auch so maskuline Kerle wie ein Mike Tyson oder Woody Harrelson vegan leben können, dann zeigt das doch, dass die Furcht der Männer etwas von ihrem Nimbus zu verlieren unbegründet ist.

Ein kleiner Tipp zum Schluss für alle, die eventuell noch einen „unbelehrbaren Kerl“ zu Hause sitzen haben. Um solchen Männern das vegane Essen näher zu bringen, nutzen wir ganz einfach ein anderes klassisches Klischee für unsere Sache. So heißt es doch immer, Männer sind Kinder. Also behandeln wir sie auch wie solche: Das heißt, wir ändern einfach nur die Art und Weise, wie über das vegane Essen geredet wird. Denn am besten wissen diese Kerle gar nicht, was sie da essen. Sie sollen einfach nur ein leckeres Mahl serviert bekommen, ohne dass Ihr ihnen erzählt, dass es vegan ist. Dann können sie auch unvoreingenommen an die vegane Ernährungsweise herangeführt werden und sich langsam ein entsprechendes Bewusstsein aufbauen. Ein Bewusstsein, das sich dem Körper, der Gesundheit, der Umwelt und den Tieren zuwendet. Probiert es einfach mal aus!

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/monkeybusinessimages

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