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vegan leben

Revolutionäre Biokosmetik!

Chemiefreie Kosmetik frisch aus dem Garten. Klingt eigentlich ganz gut. Aber hält sie auch, was sie verspricht?

Als Veganer sind wir ja so einiges gewohnt. Wenn es um unsere Ernährung geht, werden wir häufig belächelt, kritisiert oder für ideologische Fanatiker gehalten. Wenn wir uns gegen Tierversuche einsetzen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Testen neuer Medikamente – hält man uns für unbelehrbare Moralisten. Schließlich sei ja ein Menschenleben immer noch wichtiger als das eines Tieres, heißt es dann.

Einfacher haben wir es bei Diskussionen, die sich um Tierversuche oder das Verwenden tierischer Produkte bei Kosmetik drehen. Das Verständnis für unseren kritischen Standpunkt ist hier inzwischen doch weit im Mainstream verankert und trifft wahrscheinlich bei einem Großteil der Bevölkerung sogar auf Zustimmung. Gibt es schließlich etwas Perverseres als Tiere leiden zu lassen oder gar abzuschlachten, nur um einem von der Schönheitsindustrie verbreiteten Ideal möglichst nahezukommen? Und ist es nicht total widerlich, mit totem Tier im Gesicht durch die Gegend zu laufen? Tierversuche für Kosmetikprodukte sind übrigens zwar in Europa verboten. Außerhalb Europas ist dies allerdings leider immer noch kein Standard.

Doch auch wenn das Verständnis einerseits groß sein mag, so ist doch unser Zweifel mindestens genauso groß, dass sich diese Einsicht inzwischen auch beim Kaufverhalten in dem Maße durchgesetzt hat, wie wir uns das wünschen würden. Was vor allem auch daran liegt, dass viele Verbraucher gar nicht wissen, was wirklich in ihren Kosmetikdöschen steckt.

Kosmetik ist nicht gleich Kosmetik

Von einer Revolution im Bereich der Bio- oder Naturkosmetik – wie sie medial aus den verschiedensten Ecken gerade verkündet wird – sind wir deshalb noch meilenweit entfernt. Trotzdem: Naturkosmetik und Biokosmetik sind im Trend und auch von der Schönheitsbranche offensichtlich als neue große Marktchance entdeckt. Die Nachfrage nach chemiefreier Kosmetik natürlichen Ursprungs ist heute groß und steigt zunehmend. Und als Veganer wollen wir das natürlich unterstützen. Aber auch nur dann, wenn garantiert ist, dass es sich hier um keinen Etikettenschwindel handelt und auch der vegane Aspekt Berücksichtigung findet.

In unserem Artikel Gemüse im Gesicht haben wir uns ausführlich mit dem Thema „Gemüse als Bestandteil von Kosmetik“ beschäftigt und Euch dort auch ein paar Rezepte zusammengetragen, wie Ihr Eure Kosmetik mit wenigen Mitteln aus Gartenprodukten selbst herstellen könnt.

Heute wollen wir uns in erster Linie mit der Frage beschäftigen, was es denn mit der sogenannten revolutionären Biokosmetik auf sich hat. Was ist überhaupt Biokosmetik? Wodurch unterscheidet sie sich zum Beispiel von Naturkosmetik? Und ist „bio“ gleich „vegan“? Dazu wollen wir zunächst einmal ein bisschen Licht in den naturkosmetischen Begriffs-Dschungel bringen.

Konventionelle Kosmetik

Ist eigentlich klar. Hier gehört im Grunde alles dazu, was gesetzlich zugelassen ist: Entsprechend lang ist oftmals die Liste an chemischen und synthetischen Inhaltsstoffen. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen davon abgeschreckt werden und pflanzliche Alternativen suchen. Aber schon mal ein kleiner Hinweis vorweg: Konventionelle Kosmetik kann durchaus vegan sein.

Pflanzenkosmetik

Hier könnt Ihr zwar sicher sein, dass die Produkte zu einem Teil auf pflanzlichen Inhaltsstoffen basieren. Das heißt, z. B. Extrakte und Öle oder aber stark prozessierte Substanzen aus pflanzlichen Rohstoffen enthalten. Die Betonung liegt aber eben auf „Anteil“. Denn häufig wollen sich die Hersteller damit nur ein grünes Image verpassen. Denn sie machen eben nur einen kleinen Teil des Produktes aus. Der Rest entspricht meist konventioneller Kosmetik. Green washing also. Und vegan muss das Ganze sowieso nicht sein, um als „pflanzlich“ bezeichnet werden zu dürfen.

Naturkosmetik

Im Prinzip verhält es sich hier ähnlich. Auch hier muss nur ein Teil der Inhaltsstoffe aus der Natur stammen. Denn auch Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff. Allerdings setzen sich in diesem Bereich immer mehr Naturkosmetiksiegel durch. Entscheidet sich nun der Hersteller für ein solches Siegel, zum Beispiel „NaTrue“, dann verpflichtet er sich damit automatisch zu einem bestimmten Anteil an Rohstoffen natürlichen Ursprungs. Das Problem dabei: Es kann sich dabei auch um chemische Abkömmlinge natürlicher Rohstoffe handeln. Und was für uns Veganer noch entscheidender ist: Es dürfen auch tierische Rohstoffe eingesetzt werden, also zum Beispiel Bienenwachs und Lanolin, die als Bestandteile in der Naturkosmetik sogar sehr häufig eingesetzt werden. Also für uns ein absolutes NoGo!

Biokosmetik

Schon etwas besser aufgehoben ist man bei der Biokosmetik. Denn hier wird von einer Bio-Zertifizierungsstelle festgesetzt, dass die Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen müssen. Je nach Siegel können das bis zu 95 Prozent sein. Die Betonung liegt allerdings auch hier auf „können“. Denn „bio“ bedeutet nicht gleich „vegan“. Und wie in der Pflanzen- und Naturkosmetik dürfen auch in der Biokosmetik Inhaltsstoffe wie Bienenwachs etc. eingesetzt werden, ohne dass dies Auswirkungen auf die Bio-Zertifizierung hätte. Bleibt der letzte Begriff – vegane Kosmetik zu klären.

Vegane Kosmetik

Hier ist es nun genau umgekehrt. Vegane Kosmetik muss weder bio, noch natürlich, noch pflanzlich sein. Das einzige Kriterium: Vegane Kosmetik darf keine Inhaltsstoffe tierischer Herkunft enthalten oder auf Tierversuchen basieren. Sie kann aber sehr viele synthetische bzw. chemische Bestandteile enthalten, die in konventioneller Kosmetik vorkommen.

Unser Tipp deshalb für Euch: Achtet beim Kauf auf Beauty-Labels, die ohne tierische UND ohne chemische Inhaltsstoffe auskommen. Wir sprechen dann von der sogenannten veganen Bio-Kosmetik. Einige bekannte Bio-Label sind zum Beispiel „Mádará“, „Pure Skin Food“ oder „Hands on Veggies“. „Pure Skin Food“ verwendet ausschließlich pflanzliche Rohstoffe, die außerdem zu 100 % aus kontrolliert biologischem Anbau stammen und zugleich vegan und tierversuchsfrei sind. Und „Hands on Veggies“ setzt sogar konsequent auf Gartenprodukte.

Revolutionäre vegane Biokosmetik aus dem Garten

„Hands on Veggies“ ist ein junger Naturkosmetikhersteller aus Österreich, der als Grundstoff bei den Inhaltsstoffen für seine Haar- und Körperpflege Gemüse aus dem Garten wie Artischocken, Kürbis, Grünkohl und Chili einsetzt. Die Pflegeprodukte sind alle vegan-, tierversuchsfrei- und biozertifiziert. Darüber hinaus – und das finden wir ziemlich spannend – wurden auch nachhaltige Lösungen für die Konservierungsmethode und die Verpackungen der Produkte entwickelt. Die Hersteller setzen nämlich auf den Prozess der sogenannten Fermentierung. Das dient einerseits der Haltbarmachung, andererseits löst es aber auch erst die Wirkung vieler Pflanzeninhaltsstoffe aus.

Die Tuben werden darüber hinaus aus einem innovativen, biobasierten Kunststoff hergestellt, der aus Zuckerrohr gewonnen wird. Diese sind recycelbar und ihre Produktion spart nicht nur CO2 Emissionen, sondern neutralisiert diese sogar.

Letztendlich müsst Ihr aber selbst entscheiden, was für Euch bei der Wahl Eurer Kosmetikprodukte entscheidend ist. Als Veganer steht für uns natürlich der Tierschutz an erster Stelle. Uns persönlich liegen zudem auch die Nachhaltigkeit und der ressourcenschonende Umgang mit Rohstoffen am Herzen. Die Alternative ist deshalb immer, auf den einen oder anderen Einkauf zu verzichten oder im Zweifel auf selbst gemachte Kosmetik zu setzen. Denn mit selbst gemachter Kosmetik habt Ihr einerseits den Überblick, welche Inhaltsstoffe und Zutaten letztlich tatsächlich enthalten sind, zum anderen könnt Ihr damit auch Euer Portemonnaie schonen und Ihr spart jede Menge Verpackungsmüll ein.

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/Artfully79

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Team von vegawatt
vegawatt@twl.de