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Mit veganer Energie noch ein bisschen veganer Leben!

Mit veganer Energie noch ein bisschen veganer Leben!

Die Energie, die aus Eurer Strom- oder Gasleitung kommt, kann Eure persönliche vegane Bilanz ganz schön verhageln. Wir verraten Euch, worauf Ihr als Veganer beim Thema Energie achten solltet.

Eines der langweiligsten Themen der Welt dürfte wohl das Thema Energie sein. Wir schreiben heute trotzdem mal drüber, denn aktuell tut sich dabei ziemlich viel, das besonders für uns Veganer sehr interessant sein dürfte. Wir sind nämlich neulich über die Webseite eines Energieanbieters gestolpert, der veganes Gas und veganen Strom im Angebot hat. Stellte sich für uns natürlich die Frage: Vegane Energie – wie genau funktioniert das denn?

Um das doch recht komplexe Thema zu verstehen, muss man sich einmal alle aktuell verfügbaren Energiearten genau anschauen und überlegen, ob diese und falls nein, warum sie nicht vegan sind. Dabei kommt man zu ganz kuriosen Ergebnissen, da nun ausgerechnet ein paar wirklich ökologische Energiearten für uns Veganer eigentlich absolute No-Gos sind. Aber der Reihe nach: Gucken wir uns die verschiedenen Energiearten doch erst mal an. Los geht’s mit der Kategorie Strom.

Stromerzeugung mit Atomkraft: Endzeitstimmung sagen wir

Atomkraftwerke sind seit den 1960er Jahren weltweit die wohl wichtigste Energiequelle. Lange galten sie als sicher, sauber und umweltverträglich. Ein Hohn, wenn man sich anschaut, für welche Katastrophen Atomkraftwerke bisher verantwortlich waren. Denn seit Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima wissen wir, dass Atomkraft alles andere als sicher und eher hochgefährlich ist. Die eigentliche Kernspaltung und die Umwandlung der draus entstehenden Wärmeenergie in elektrische Energie ist trotzdem zunächst erst einmal ein ziemlich veganer Prozess, aber eben genau die schon erwähnten nicht vorhersehbaren Umweltbelastungen und Belastungen der Tierwelt durch Reaktorunfälle sind es, die uns Veganer den Daumen nach unten zeigen lassen sollten. Hinzu kommt: die Abwärme der Kraftwerke erwärmt das Flusswasser. Die damit einhergehende steigende Wassertemperatur in den zur Kraftwerkskühlung genutzten Flüssen oder Seen führt langfristig zu einer Störung des biologischen Gewässergleichgewichts und damit zu einem massenhaften Fischsterben. Was sollen wir sagen: Atomstrom ist so gar nicht vegan.

Kohlekraft ist ein Dreckspatz, aber kein netter

Kommen wir zum Dino der Energieversorgung schlechthin: der Kohle. Mit Kohle wird schon seit Jahrhunderten Energie erzeugt. Leider keine Saubere. Denn hier gibt’s gleich mehrere Probleme. Braunkohle wird heutzutage im Tagebau abgebaut. Die wertvolle Kohle muss dabei meist tief unter dicken Schichten von Sand, Kies und Ton hervorgeholt werden. Ergo werden hier ganze Landschaften und mit ihnen der Lebensraum vieler Tiere umgegraben und somit zerstört. Gleichzeitig müssen auch riesige Mengen Grundwasser umgepumpt werden, was zu einem Absinken des Grundwasserspiegels mit all seinen negativen Auswirkungen führt. Davon abgesehen belastet natürlich auch der Schadstoffausstoß beim Verbrennen die Luft in der Nähe der Kraftwerke – und damit auch wieder den Lebensraum von Mensch und Tier. Kohlekraft ist aus veganer Sicht also auch keine gute Idee.

Aber zum Glück gibt es ja noch eine ganze Reihe umweltfreundlicher Energiearten wie Windkraft oder Wasserkraft. Da werden wir als Veganer doch bestimmt fündig. Dachten wir auch erst – leider ist dem aber nicht so!

Dürfen wir vorstellen: Windkraft – der Vogelhäcksler

Klingt eigentlich toll: Strom nur durch die Kraft des Winds. Ganz ohne Umweltverschmutzung und negative Begleiterscheinungen. Doch so klimafreundlich die Windkraft auch sein mag, aus veganer Sicht ist gerade sie eine sehr problematische Energiequelle. Das liegt daran, dass die riesigen Windparks aktuell meist direkt an der Grenze zu Naturschutzgebieten oder mitten im Meer vor der deutschen Küste entstehen. Die Folge: Das empfindliche Ökosystem, besonders das im Wattenmeer, wird durch die rotierenden Flügel erheblich gestört und die dort lebenden Meerestiere aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben. Hinzu kommt das Thema Vogelschlag. Durch die sich schnell drehenden Rotoren kann es sowohl über Land wie auch über Wasser zu tödlichen Kollisionen mit den Windrädern kommen. Besonders gefährdet sind dabei Fledermäuse, Greifvögel und Seevögel. Ein weiteres veganes Problem bei Windrädern ist der sogenannte Eisschlag. Von den Rotorblättern abplatzende Eisschichten können auf den Boden geschleudert werden und so in der Nähe der Anlagen lebende Tiere schwer verletzen oder gar töten. Deshalb haben wir entschieden: Windkraft mögen wir auch nicht!

Wasser marsch oder lieber doch nicht?

Fakt ist erst mal: Die Wasserkraft gilt als wesentliches Standbein der Energiewende in Deutschland und liefert besonders kostengünstigen Ökostrom. Sie verursacht keinerlei schädliche Emissionen und ist deshalb also eigentlich eine sehr grüne Energiequelle. Fakt ist aber auch: bei besonders großen Wasserkraftanlagen sind teils extreme Eingriffe in die Natur mit großen Erdbewegungen notwendig (denkt nur mal an die riesigen Staudämme, die ganze Täler absperren). Und es gibt ein noch viel größeres veganes Problem: Die Turbinen der Kraftwerke können zur tödlichen Falle für Fische wie Aale und Lachse werden – und die benötigten Staudämme oder Wehre führen dazu, dass die Fische ihre Laichplätze nicht mehr erreichen und sich infolge dessen nicht mehr vermehren. Unser Tipp: lieber kein Wasser marsch.

Let the sunshine in!

Aber was bleibt denn dann noch? Ganz genau: die Sonnenenergie. Oha, bisschen oldschool irgendwie. Schließlich hatten wir früher schon in der Schule so einen Solartaschenrechner. Aber warum ist denn nun genau sie es, die das vegane Energieherz höherschlagen lässt? Bitteschön: Hier kommt die Antwort.

Sonnenenergie ist praktisch unbegrenzt verfügbar, lässt sich sehr gut dezentral einsetzen, ist umweltfreundlich, klimaneutral und unterstützt die Energiewende. Photovoltaik-Anlagen haben darüber hinaus eine hohe Lebensdauer und können nahezu überall dort, wo die Sonne ausreichend scheint, schnell und unproblematisch errichtet werden. Und: Photovoltaik-Anlagen gefährden in keiner Weise den Lebensraum von Tieren oder das Leben der Tiere selbst. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum der vegane Energieanbieter unseres Vertrauens auf eben diese Energieart setzt. Das Schöne übrigens: Der Tarif ist sogar ein kleines bisschen günstiger, als der alte von unseren Stadtwerken!

Kommen wir zum Thema Gas. Die Glücklichen unter Euch mit einem Gasherd brauchen es zum Kochen, die meisten anderen wahrscheinlich eher zum Heizen und für warmes Wasser. Auch hier waren wir überrascht, wie die verschiedenen Gasarten mit dem Blick durch die vegane Brille aussehen.

Der Klassiker: Erdgas

Wenn es um Gas zum Heizen und Kochen geht, dann fällt uns natürlich zuerst das klassische Erdgas ein. Es ist effizient und gilt als umweltfreundlich, weil bei seiner Verbrennung weniger Kohlendioxid entsteht, als beim Verfeuern von Öl in Ölheizungen. Außerdem verbrennt es ohne Ruß und nahezu ungiftig. Alles bene könnte man meinen. Leider nicht ganz: Denn Erdgas kommt über lange Pipelines von weit her, meist aus Russland, Norwegen, Großbritannien, den Niederlanden oder Dänemark. Das Problem hier sind die Pipelines. Denn deren Bau hat empfindliche Auswirkungen auf die Tierwelt an Land sowie im Meer. Neben der Gefahr von Schäden bei der Verlegung kann es auch zu einem Leck in der Leitung kommen, mit der Folge, dass das austretende Gas zu einem massenhaften Sterben der Land- bzw. Wasserbewohner führt. Zum veganen Klassiker wird es also nicht, das Erdgas.

Den Erfinder des Fracking sollte man selber fracken

Um dem stetig wachsenden Energieverbrauch unserer modernen Welt zu begegnen, ist die Energieindustrie ja ständig auf der Suche nach neuen Energiequellen. Eine ganz besonders Schlimme davon ist das Fracking. Um in Gesteinsschichten vorhandenes Erdgas freizusetzen, wird ein Gemisch aus Wasser und verschiedenen chemischen Additiven tief in die Erde gepumpt. Hallo, geht’s noch? Chemie in Richtung unseres Grundwassers drücken? Das ist nicht nur für die Tierwelt schlimm, sondern auch für uns Menschen. Keine Ahnung, wer so etwas genehmigt und warum – aber für uns geht das gar nicht. Wenn das so weitergeht, haben wir es wahrscheinlich später alle schön warm im Haus, bloß leider kein Wasser mehr zum Trinken. Tja, ein bisschen Schwund ist immer. So, Sarkasmus aus und ab zur nächsten Energieart.

Klimaneutrales Erdgas: Das klingt toll. Ist es aber nicht. Denn hierbei handelt es sich um normales Erdgas, das mithilfe zugekaufter CO2-Zertifikate aufgehübscht wurde. Eine klassische Mogelpackung also. Und aus veganer Sicht nicht zu empfehlen, denn … siehe Erdgas.

In Bio eine 1, in Vegan eine 5

Kommen wir zum Biogas. Biogas entsteht durch die Vergärung von biologischen Abfällen, der sogenannten Biomasse, und ist klimafreundlich. Bei seiner Verbrennung wird nur das CO2 freigesetzt, das noch vor kurzer Zeit in der Luft war und von der Biomasse aufgenommen wurde. Es kann zudem auch je nach Bedarf erzeugt werden und muss deshalb nicht zwischengelagert werden. Klingt erst mal gut – aber auch hier gibt’s ein Aber. Voila: Da für die Produktion der eingesetzten Biogas-Energiepflanzen vermehrt landwirtschaftliche Anbauflächen genutzt werden, fallen diese für die Produktion von Nahrungsmitteln weg. Da außerdem hauptsächlich Mais als Biomasse angebaut wird, sind Monokulturen mit nährstoffarmen Böden die Folgen des Biogas-Booms. Der intensive Anbau und der damit verbundene Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln hat zudem negative Auswirkungen auf die Qualität des Grundwassers sowie die Artenvielfalt. Und – das allerschlimmste aus veganer Sicht – als Biomasse werden auch tierische Abfälle und Gülle aus der Massentierhaltung verwendet.

Veganes Bio-Gas aus Zuckerrübenabfällen

Na, fällt Euch noch was ein? Wir hatten auch keine Ahnung, was hier die vegane Lösung sein kann. Es gibt sie aber: Biogas aus Zuckerrübenschnitzeln. Diese Schnitzel sind nichts anderes als Abfall aus der Zuckerproduktion. Nachdem der Zucker aus den Rüben extrahiert wurde, sind sie es, die dann noch übrigbleiben. Ihr Vorteil: Sie haben einen hohen Brennwert und beim Anbau der Rüben kann nahezu komplett auf Dünger oder Pflanzenschutzmittel verzichtet werden, da sie sehr widerstandsfähig sind und Witterungsschwankungen recht gut verkraften. In der Fruchtfolge ab und an mal ein Jahr mit Zuckerrüben beugt darüberhinaus Monokulturen und einer Auslaugung des Bodens vor. Hinzu kommt: das produzierte Biogas wird direkt in das Leistungsnetz eingespeist, wodurch der Bau von Pipelines entfällt. Bingo: Biogas aus Zuckerrüben ist also der veganste Weg, seine Heizung und damit auch sein Wasser zu erwärmen.

Bei unserer Recherche sind wir aber auch auf ein kleines Problemchen gestoßen. Es lässt sich nämlich leider nicht beeinflussen, welcher Strom oder welches Gas nun wirklich aus der heimischen Steckdose kommt. Hat man sich beispielsweise gegen Atomstrom und für Wasserkraft entschieden, kann der Strom, den man zum Fernsehen oder Musikhören verwendet, doch in Atomkraftwerken produziert worden sein. Das liegt daran, dass an das deutsche Stromnetz unzählige private und industrielle Abnehmer angeschlossen sind – gleichzeitig wird Strom von einer Vielzahl an Kraftwerken in das Netz eingespeist. Im deutschen Stromnetz befindet sich also immer ein Mix aus grauer, grüner und veganer Energie.

Das Ziel: eine vollständige Versorgung Deutschlands mit veganem Strom

Doch warum sollte man als Veganer dann überhaupt zu einem veganen Energieanbieter wechseln? Ganz einfach: um den Anteil des vegan produzierten Stromes in Deutschland zu erhöhen. Denn je mehr Haushalte Kunden bei einem veganen Energieanbieter sind, desto mehr tierfreundlicher Strom wird auch produziert und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass veganer Strom auch aus der eigenen Steckdose kommt. Deshalb unser Tipp: schaut doch mal im Netz nach veganen Energieanbietern und vergleicht deren Preise mal mit Euren aktuellen Tarifen. Häufig ist veganer Strom nämlich sogar kaum teurer!

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/DiyanaDimitrova

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