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Leben Veganer gesünder – oder doch nicht?

Leben Veganer gesünder – oder doch nicht?

Neulich hatten wir eine anregende Dinner-Diskussion mit nicht-veganen Freunden, wie gesund unser veganes Leben eigentlich ist. Hier für Euch mal unsere Überlegungen und Erkenntnisse dazu.

Da saßen wir vor ein paar Tagen mit einigen unserer Lieblingsmenschen beim Abendessen und plötzlich entwickelte sich aus einer einfachen Frage die spannende Diskussion darüber, wer denn nun gesünder lebt: Veganer oder Fleischesser? Die Frage eines Freundes war dabei sogar eher allgemeiner Art. Er wollte schlicht nur wissen, ob wir uns seit der Umstellung unserer Ernährung anders fühlen? Positiver etwa, glücklicher vielleicht oder – und da kam es plötzlich auf den Tisch, das Streitwort – ganz und gar gesünder?

Die beiden ersten Vermutungen haben wir natürlich sofort bejaht. Klar haben wir, seitdem wir vegan leben, einfach eine deutlich positivere Lebenseinstellung und führen nicht nur ein glücklicheres Leben als vorher, sondern unserer Meinung nach auch ein deutlich gesünderes. Aber soweit kamen wir gar nicht mehr. Denn plötzlich wurde es (wie immer) emotional und wir bekamen mal wieder eine ganze Menge von den Vorurteilen zu hören, mit denen wir Veganer so oft konfrontiert werden: einseitige Ernährung, zu wenig Nähr- und Mineralstoffe, „Ihr esst meinem Essen das Essen weg“ (hahaha), „Euer Sojakonsum ist für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich“ und so weiter. Ihr kennt das sicher auch alle zu Genüge!

Wir hatten uns am Tisch darauf geeinigt, statt rein emotional zu argumentieren, doch mal über Fakten zu sprechen. Also wurden die Handys rausgeholt und Google zum Glühen gebracht. Jeder durfte seine Argumente auf den Tisch legen und wir haben darüber gesprochen (das alles übrigens, während wir unseren veganen Apfel-Mandel-Kuchen gefuttert haben …). Großzügig überließ man uns Veganern den Vortritt, wir waren also zuerst dran und haben gleich mal die Gemüsekeule rausgeholt.

Wollt Ihr wirklich mit uns über Gemüse streiten?

Na, dann haben wir gedacht: Zieht Euch mal warm an. Schließlich stecken in Gemüse und Obst viele wichtige Nährstoffe, die als besonders gesundheitsfördernd gelten: Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und natürlich sekundäre Pflanzenstoffe. Sekundäre Pflanzenstoffe sind zwar keine lebenswichtigen Nährstoffe im eigentlichen Sinn, sie besitzen aber antioxidative Eigenschaften, die besonders positiv für unseren Körper sind. Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass sie entzündungshemmend und antibakteriell wirken und so wahrscheinlich das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bestimmten Krebsarten senken können. Nachgewiesen ist das übrigens in der Tat schon für Olivenöl, dass bereits in kleinen Mengen die Blutfette vor oxidativem Stress schützt.

Zum Thema Vitamine und Mineralstoffe müssen wir sicher nicht mehr viel sagen. Obst und Gemüse sind voll davon. Zum Glück – denn Vitamine und Mineralstoffe sind wichtig für eine ganze Reihe von Funktionen in unserem Körper: für den Aufbau der Zellen, für Kochen und Zähne, für das Immunsystem, für den Stoffwechsel, für das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln sowie für unser Sehvermögen. Alle dafür benötigten Vitamine findet man problemlos in veganen Lebensmitteln – bis auf eine Ausnahme: Vitamin B12. Hier haben die Fleischesser in der Tat einen Vorteil. In unserem Beitrag 7 wichtige Mineralquellen für Veganer könnt Ihr aber nachlesen, wie auch wir Veganer uns vernünftig mit Vitamin B12 versorgen können.

Ein weiteres Plus von Obst und Gemüse sind die für unsere Verdauung wichtigen Ballaststoffe, die fast ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln zu finden sind. Ballaststoffe sättigen gut und helfen so dabei, nicht zu viel zu essen. Man könnte also sagen: Ballaststoffe sind die eingebaute Diät im veganen Essen. Außerdem regeln sie unsere Verdauung und schützen uns vor Verstopfungen oder Hämorrhoiden, da sie den Darm aktivieren. Auch die Wissenschaftler haben zu diesem Thema übrigens wieder etwas herausgefunden: Ballaststoffe in größeren Mengen – wie sie eben in der veganen Küche vorkommen – senken das Risiko von Herzinfarkt, Übergewicht, Bluthochdruck, Darmkrebs sowie einigen Stoffwechselstörungen.

Punkt für uns, würden wir meinen. Dennoch: Von unseren Freunden kam gleich wieder ein Aber. Selbstverständlich finden auch sie Gemüse wichtig (und manches auch lecker) – aber: Nur damit kann man seinen Nährstoffbedarf nicht ausreichend decken, weil eben in tierischen Produkten jede Menge Nährstoffe zu finden sind, die es in pflanzlicher Nahrung nun mal nicht gibt und die für eine gesunde Ernährung sehr wichtig sind. Seufzend haben wir dann auch dazu Stellung bezogen.

Kommt uns jetzt nicht mit der Nährstofflüge!

Mal wieder so ein pauschales Urteil. Denn alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine und Mineralien holen wir Veganer uns über einen ausgewogenen Ernährungsplan. Klar, wer sagt, er sei Veganer und jeden Tag nur Pommes futtert, dem wird irgendwann etwas fehlen. Aber hey, wer macht das schon? Wie bereits oben geschrieben haben unsere Freunde leider in einem Punkt recht: Vitamin B12 ist in der Tat ein Problem. Das sollten wir auch nicht einfach kopfschüttelnd abtun, sondern ernst nehmen. Denn Vitamin B12 ist für einige wichtige biochemische Reaktionen in unserem Körper verantwortlich. Deshalb nehmen wir es regelmäßig als Nahrungsergänzungsmittel zu uns. Übrigens so, wie viele Fleischesser gerne Multivitamin-Präparate einnehmen, um ihren Vitamin-Mangel auszugleichen (das aber nur als kleine Spitze am Rande gegen unsere Dinner-Diskussions-Freunde, tüdelü …).

Drehen wir es an dieser Stelle doch einfach mal rum. Statt uns immer für unsere Art des Essens und Lebens zu verteidigen, können wir ja auch einfach mal unsere Fleischesser-Freunde in die Defensive bringen. Denn: Man ist ja nicht nur so gesund, wie das, was man isst – man ist auch immer so gesund, wie das, was man nicht isst. Und wer kein Fleisch isst, der nimmt eben auch eine ganze Menge ungesunder Dinge nicht zu sich. In diesem Sinne: Los geht’s mit dem Fleisch-Bashing!

Wie gesund sind Fleisch & Co?

Erste Erkenntnis des Abends: Für Schweine, Rinder, Schafe, Hühner, Puten und viele andere Tiere ist der Fleischkonsum des Menschen gar nicht gesund, sondern vor allem tödlich. Darin waren wir uns mal alle einig. Wenn man es mit seinen ethischen Grundsätzen vereinbaren kann, spricht aus ernährungsphysiologischer Sicht sicher nichts gegen ein Steak: ab und zu mal – und in einer Qualität, die eine artgerechte Haltung der Tiere gewährleistet, eben ohne die ganzen schlimmen Dinge, wie sie in der konventionellen Massentierhaltung üblich sind.

Das Problem ist jedoch: Weltweit wird viel zu viel Fleisch konsumiert und Fleisch wird eben nicht nur ab und zu, sondern nahezu täglich gegessen. Vor allem als verarbeitetes Fleisch in Wurst und anderen Fleischwaren. Und genau in der Verarbeitung liegt auch das Problem. Würste werden aus Muskelfleisch und Speck sowie Gewürzen und Nitrit-Pökelsalzen hergestellt, in Därme abgefüllt und zum Reifen weggehängt. Die Reifezeit ist von Wurstsorte zu Wurstsorte verschieden und dauert etwa 2 Wochen bis 3 Monate. Doch was daran ist jetzt nicht gesund. Ganz einfach: Während der Verarbeitung kann das Nitrit zu krebserregendem Nitrosamin reagieren – und durch Räuchern, Rösten oder Anbraten können zudem weitere krebserregende Substanzen wie PAKs oder Acrolein entstehen. Das hat auch schon die WHO erkannt und stuft verarbeitetes Fleisch heute in die Gruppe der Substanzen ein, die beim Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit Krebs verursachen können. Weiter schätzt die WHO, dass nur durch den Konsum roten Fleisches weltweit etwa 50.000 Menschen an Krebs sterben. Hinzu kommt, dass tierisches Eiweiß während des Stoffwechselprozesses schädliche Säuren bildet, die zu einem die Mineralstoffreserven des Körpers angreifenden Säureüberschuss führen. Die Folge: eine Entmineralisierung und langfristig Parodontose, Osteoporose sowie Arthrose.

Da war es dann zum ersten Mal ziemlich leise am Tisch – und das, obwohl unsere Freunde nicht mal zur Sorte der fleisch- und wurstvernichtenden Maschinen gehören, sondern eher selten zu Fleisch und dann auch nur zu wirklich gutem in Bioqualität greifen. Erschreckend fanden sie es trotzdem.

Und wir hatten noch ein paar Asse im Ärmel: die Gesundheitsbilanz von Fast Food und Fertigessen nämlich. Ja, ja, ziemlich gemein von uns – aber: Don’t mess with a Veggie! Mal ehrlich: Fakt ist doch, dass waschechte Veganer kaum zu Fertiggerichten greifen, weil es einfach (fast) gar keine gibt. Wir haben mal irgendwo gelesen, dass der selbstkochende Anteil unter Veganern deutlich größer ist, als der von Mischköstlern. Hat wahrscheinlich was mit unserer Leidenschaft für gutes Essen und Leben zu tun. Aber zurück zur Frage: Wie sieht’s denn nun so aus mit der Fertignahrung?

Nicht erschrecken: Wir sprechen über Fast Food & Fertigessen!

Fertigessen ist ja im Wortsinn gar kein Essen, weil da Dinge drin sind, die wir als reine Zutat niemals essen würden. Wer käme schon auf die Idee sich mal eine Portion modifizierte Stärke in die Pfanne zu hauen oder ein paar Aromen, Geschmacksverstärker und Emulgatoren? Eben: keiner. Mit Fertiggerichten schaufelt man also eine ganze Menge Kram in sich hinein, von dem keiner genau weiß, welchen Einfluss er dauerhaft auf unsere Gesundheit hat. Ganz im Gegensatz zu veganem Essen, wie wir es lieben: natürliche Zutaten, am besten frisch vom Markt, frische Kräuter, leckere Gewürze und ein bisschen Zeit – was bitte soll daran ungesund sein?

Ein weiteres Risiko bei Fertiggerichten und Fast Food ist – neben dem teilweise extrem hohen Salz- und Zuckeranteil in den Gerichten – das Thema Fett, meist in Form gehärteter Fette. Diese Arten von Fetten dienen als Geschmacksträger und werden benötigt, um den Gerichten die gewünschte Konsistenz zu verleihen. Das große Problem: Gehärtete Fette enthalten Transfettsäuren, die den Blutfettspiegel erhöhen und so eine Arterienverkalkung begünstigen können. Kritisch zu sehen ist auch die Qualität der zugesetzten Fette. Fertiggerichte bestehen meist aus ungesättigten Fetten, die das Krebsrisiko erhöhen können. Gesunde ungesättigte Fette, wie beispielsweise die in Raps- und Walnussöl, kommen zwar in der veganen Küche vor, aber eben nicht in Fertigmahlzeiten und Fast Food. Klassisches Fast Food, wie man es so kennt – also Burger, Currywurt und Pizza – enthalten neben vielen Fetten zudem viel Weißmehl und Zucker, aber kaum Ballaststoffe. Das Ergebnis: Sie sättigen nicht nachhaltig und bereits nach kurzer Zeit stellt sich wieder ein Hungergefühl ein. Da sind wir konsequenten Veganer fein raus, schließlich kommt bei uns kaum Fertigkram auf den Teller.

Wir saßen an diesem Abend noch relativ lange mit unseren Freunden zusammen. Drei Erkenntnisse haben wir dabei gewonnen.

Erstens: Wenn man auf einen abwechslungsreichen Speiseplan achtet und das Thema Vitamin B12 im Auge hat, ist veganes Essen eine sehr gesunde Art der Ernährung.

Zweitens: Übertreiben es Mischköstler nicht mit dem Fleischkonsum und lassen zudem verarbeitete Fleischwaren sowie Fertiggerichte weg, steht deren Essen dem veganen in nichts nach.

Drittens: Im Hinblick auf das Wohl unserer Tiere ist eine vegane Lebensweise eindeutig die beste – und eine, die wegen des Tierwohls die meisten Glückshormone freisetzt. Was ja erwiesener Maßen auch ziemlich gesund sein soll!

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/DisobeyArt

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