Menü

vegan leben

Gemüse im Gesicht!

Gemüse im Gesicht!

Gemüse essen ist gesund. Aber was hat es damit auf sich, dass wir es nicht mehr nur essen, sondern im Gesicht verstreichen können?

„Warum essen, was man auch cremen kann?“ Passend zum Thema ist Anfang Juni in der Süddeutschen Zeitung unter dieser Überschrift ein Artikel erschienen, der sich dem aktuellen Trend der Schönheitsbranche widmet, fermentiertes (also gegärtes und dadurch länger haltbares) Gemüse als Bestandteil von Kosmetik zu verwenden. Wir haben uns mal schlaugemacht, was es damit auf sich hat, und inwieweit wir als Veganer davon profitieren können.

Seinen Ursprung nahm der Trend wohl bereits vor ca. 5–6 Jahren in Südkorea. Ein Land, in dem Schönheit offensichtlich ein hohes Gut ist, wenn man auf die Zahl der Schönheitsoperationen schaut, die so hoch ist wie sonst nirgendwo auf der Welt. Zum anderen ein Land, in dem das Gären von allem Möglichen fester Bestandteil der dortigen Küche ist.

Was bedeutet Fermentieren?

Es handelt sich hier um ein traditionelles Verfahren in der Küche, um Lebensmittel länger haltbar zu machen. Man gibt zu den zu fermentierenden Lebensmitteln eine sogenannte Starterkultur hinzu. Also natürliche Mikroorganismen wie gute Bakterien, Schimmelpilze oder Hefe, die aus der Zutat selbst stammen oder aus der Umgebung. Besonders wichtig ist, dass die verwendeten Behältnisse oder Gläser absolut sauber und luftdicht verschließbar sind. Auf diese Weise vermehren sich die Starterkulturen, die Kohlenhydrate werden zu Milchsäure mit konservierenden Eigenschaften umgewandelt. Der pH-Wert sinkt, ein saures Milieu entsteht, sodass ungesunde Keime nicht gedeihen und daher auch keine Lebensmittel verderben können. Am Ende habt Ihr ein Lebensmittel, das sowohl von den Nährstoffen her, als auch von der Konsistenz und vom Geschmack her völlig anders ist. Gleichzeitig enthält es nun durch den Prozess entstandene Vitamine, Enzyme und Antioxidantien. Außerdem ist nachgewiesen, dass die vergorenen Kräuter und Pflanzen ihre Struktur durch den beschriebenen Prozess derart verändern, dass sie besonders gut in die Haut einziehen, wo sie straffend einwirken.

Gemüseecken-Kosmetik im Handel

Tatsächlich gibt es mit „Hands on Veggies“ einen jungen Naturkosmetikhersteller aus Österreich, der als Grundstoff bei den Inhaltsstoffen für seine Haar- und Körperpflege Gemüse aus dem Garten wie Artischocken, Kürbis, Grünkohl und Chili einsetzt. Die Pflegeprodukte sind alle vegan-, tierversuchsfrei- und bio-zertifiziert. Darüber hinaus – und das finden wir ziemlich spannend – wurden auch nachhaltige Lösungen für die Konservierungsmethode und die Verpackungen der Produkte entwickelt. Die Hersteller setzen nämlich auf genau diesen Prozess der Fermentierung. Das dient einerseits der Haltbarmachung, andererseits löst es aber auch erst die Wirkung vieler Pflanzeninhaltsstoffe aus.

Die Tuben werden darüber hinaus aus einem innovativen, biobasierten Kunststoff hergestellt, der aus Zuckerrohr gewonnen wird. Diese sind recycelbar und ihre Produktion spart nicht nur CO2 Emissionen, sondern neutralisiert diese sogar.

Kosmetik aus dem Garten, alles andere als neu

In der Kosmetikbranche tun gerade alle so, als hätten sie das Rad neu erfunden. Da fallen dann so Begriffe wie Innovation und junge Kosmetiktrends. In Wahrheit werden schon seit Tausenden von Jahren Lebensmittel aus Küche und Garten für die Körperpflege und die Gesichtspflege verwendet. Und auch die Wirkung der einzelnen Gemüse- oder Obstsorten sind eigentlich Allgemeingut: Gurke spendet Feuchtigkeit, Erdbeere strafft, Heilerde macht die Haut geschmeidig, Mehl beruhigt, Paprika ist reich an Vitamin C und wirkt sich positiv auf die Durchblutung aus und grüner Tee enthält Vitamine und Bioaktivstoffe, die dank ihrer antioxidativen Wirkung freie Radikale abfangen und damit vorzeitiger Hautalterung vorbeugen. Auch Öle, Fette und Wachse wie Arganöl, Olivenöl, Sheabutter, Kakaobutter und Sojaöl oder Kräuterextrakte, Blütenwässer und Zucker spielen bei »essbarer« Kosmetik eine wichtige Rolle. 

Ihr kennt ganz sicher die klassische Gurkenmaske, wenn nicht schon selbst angewandt, so doch zumindest aus dem Fernsehen oder im Film auf dem Gesicht der einen oder anderen Schauspielerin. Ein Klassiker, wenn es um fettige oder allgemein problematische Haut geht.

Durch wissenschaftliche Studien belegt sind die heilsamen Eigenschaften von Blüten wie Calendula, Arnika, Kamille, Lavendel. Bei anderen stützt man sich auf jahrhundertlange Erfahrungen in der Volksheilkunde. Manche Überlieferung hat ihren Ursprung in mittelalterlichen Klöstern, wo Nonnen und Mönche Gärten pflegten und sich intensiv mit Botanik beschäftigten. Ihre Erkenntnisse und Rezepturen haben sie auch aufgeschrieben, wie es etwa die Benediktinerin Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert tat.

Mit saftigem Obst gegen trockene Haut

Die Vorteile von Obst und Gemüse generell liegen auf der Hand: ihre Vitamine, Mineralien und Faserstoffe sind gut für die Gesundheit. Experten raten zu 5 Portionen Obst und Gemüse täglich. Aber Avocado, Aprikosen oder Granatapfel sind auch von außen angewendet gut für die Haut.

Die vegane Naturkosmetik nutzt die Kraft von Beeren, Kräutern und pflanzlichen Ölen schon lange. In den letzten Jahren hat auch die konventionelle Kosmetik die „grünen Inhaltsstoffe“ entdeckt. Kaum eine Cremepackung, die nicht Pflanzen abbildet. Aber hier werden nur Extrakte von Früchten verwendet oder gar nur einzelne Inhaltsstoffe, die besonders hilfreich sein sollen.

Der Haut tun alle Gemüse- und Obstsorten gut, da sie generell wasserreich sind und die Haut mit Vitalstoffen versorgen. Einige von ihnen haben aber noch mehr zu bieten. Ein seltener Inhaltsstoff in Obst und Gemüse ist Fett. Davon liefert z. B. die Avocado reichlich. Avocados sind vitamin- und fettreich und damit für die Haut ein Segen. Avocado kann z. B. als Gesichtsmaske die Haut beleben.

Neben exotischen Pflanzen wie z. B. den Gojibeeren, die reich sind an sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoiden, die die Haut vor freien Radikalen schützen und damit Hautalterung und vorzeitige Faltenbildung verhindern sollen, helfen auch heimische Früchte und Gemüse gegen Hauterkrankungen und schützen die Haut vor zu viel Sonne.

Als Nahrungsmittel entfalten Himbeeren in der Krebsvorbeugung positive Wirkungen und Möhren fördern die Hautbräunung. Doch Obst kann auch auf der Haut glättend, belebend und erfrischend wirken.

Die Pfefferminze, ein wahrer Alleskönner

Die Pfefferminze hat in der Naturmedizin eine lange Tradition. Denn heute wie vor Hunderten von Jahren wird das mehrjährige Kraut, lat. Mentha pipertia, bei Gallenbeschwerden, selbst leichten Gallenkoliken und Magen-Darm-Beschwerden erfolgreich eingesetzt. Doch die wertvollen Inhaltsstoffe wie ätherische Öle oder Flavonoide sind auch äußerlich ein wahrer Muntermacher. Frisch im Garten oder auf dem Balkon geerntet – am besten kurz vor der Blütezeit.

Die Pfefferminze ist nicht nur ein königlicher Frischebote, sondern sie hat auch noch eine Reihe anderer Vorteile, die man für das allgemeine Wohlbefinden nutzen kann. Zum Beispiel hilft das Kraut lindernd bei Juckreiz oder gegen fettige und unreine Haut als Kräuterzusatz in Dampfbädern und Kompressen.

Selbermach-Tipp 1: Körperpflegeöl mit Pfefferminze

Mit Pfefferminze angereichertes Öl erfrischt und pflegt die Haut mit wertvollen Inhaltsstoffen und schützt sie vor dem Austrocknen. Einfach kleine Mengen nach dem Duschen oder Baden in die noch feuchte Haut einmassieren.
So einfach geht’s: Eine Handvoll frische Pfefferminzblätter mit einem halben Liter Olivenöl übergießen und ca. eine Woche in einem geschlossenen Gefäß an einen warmen, sonnigen Platz stellen. Danach die Mischung filtern und die Pflanzenreste gut ausdrücken. Das Öl anschließend in eine dunkle Flasche füllen und kühl aufbewahren.

Selbermach-Tipp 2: Gesichtsmaske aus Gartenzutaten

In der Gesichtspflege lassen sich Gartenzutaten auch zum Selbermachen von Gesichtsmasken nutzen:

Bei trockener Haut

  • 4 EL pürierte Gurke
  • 1 EL Sojajoghurt
  • 1 TL Vollkornmehl

Für eine strahlende Haut

  • 2 große Erdbeeren, zerdrückt
  • 1 TL gemahlene Haferflocken oder Hafermehl

Die Zutaten je zu einer streichfähigen Paste verrühren. Diese auf das gereinigte, gepeelte Gesicht auftragen und nach ca. 10–15 Min. mit warmem Wasser abspülen. Im Anschluss eine leichte Feuchtigkeitspflege oder 2–3 Tropfen Gesichtsöl auf das Gesicht geben.

Es gibt einige Bücher zum Thema „Naturkosmetik selber machen“ auch mit veganen Zutaten. Mit selbst gemachter Kosmetik habt Ihr einerseits den Überblick, welche Inhaltsstoffe und Zutaten letztlich tatsächlich enthalten sind, zum anderen könnt Ihr damit auch Euer Portemonnaie schonen und Ihr spart jede Menge Verpackungsmüll ein.

Worauf Ihr aber generell achten solltet: Unterschiedliche Haut kann auch unterschiedlich auf die natürlichen Stoffe reagieren. Was dem einen gut tut, kann dem anderen weniger angenehm sein. Wer von Euch bereits beim Essen auf bestimmte Obst- oder Gemüsesorten anders oder gar allergisch reagiert, sollte diese bei selbst gemachter Kosmetik deshalb besser meiden. Ansonsten wünschen wir Euch viel Spaß beim Ausprobieren. Bleibt frisch!

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/fotostorm

vegan-leben-Übersicht



Unser Tarifrechner wird derzeit aktualisiert.

Bei individuelle Anfragen können Sie uns gerne ansprechen.

Team von vegawatt
vegawatt@twl.de