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vegan leben

Auch Veganer haben Rechte – wir müssen sie nur (noch) durchsetzen!

Wider der veganen Diskriminierung: Wir stellen Euch Lösungsansätze vor, die unsere vegane Lebensweise der anderer Lebensweisen gleich stellt.

So liebe Veggie-Nörgler, mal aufgepasst: Wir kommen heute mit einem Thema um die Ecke, bei dem Euch sicher gleich die Haare vor Empörung zu Berge stehen werden. Heute geht es nämlich um die Rechte, die wir als Veganer in unserer Gesellschaft haben bzw. gerne durchgesetzt hätten. Wir sagen es gleich: für alle, die mit dem Thema Veganismus so gar nichts anfangen können, wird dieser Artikel ziemlich hart.

Veganer werden immer noch diskriminiert

Im Prinzip soll es bei uns heute um die Masterfrage gehen, ob man als Veganer in seiner Lebensweise diskriminiert werden darf und wie man vegan lebende Menschen im Rahmen der Menschenrechte schützen kann. Nicht dass Ihr jetzt denkt, es geht darum gegen dumme Sprüche von Menschen mit einer ausgeprägten Veggie-Intoleranz vorzugehen („Hey, du isst meinem Essen das Essen weg …“) – nein, denn das Thema ist viel ernsthafter und komplexer. Die Frage ist nämlich: Können wir Veganer ein Recht auf veganes Leben und vegane Lebensmittel überall im Alltag und in unserer Gesellschaft durchsetzen?

Schauen wir uns doch dazu mal den Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes an. Darin steht sinngemäß, dass man nicht wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Soweit erst mal so gut, doch bereits an dieser Stelle geht eigentlich das Wortgeklaube los. Denn: Was ist Veganismus denn nun? Ein Glaube? Eine Heimat? Eine religiöse oder politische Anschauung? Tendieren würden wir hier zum Wort Glaube, doch wahrscheinlich war das beim Aufsetzen des Grundgesetzes anders gemeint. Mal ein Beispiel: Der Staat bietet mittlerweile koscheres und Halal-Essen für jüdische und muslimische Kinder in Schulkantinen an. Das finden wir superklasse. Jetzt die Frage: Müsste er dann nicht auch eigentlich veganes Essen für alle anbieten, die an eine vegane Lebensweise glauben, weil sie aus ethischen Gründen das Töten und Essen von Tieren nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können?

Veganes Rechtssymposium

Ziemlich kompliziert das Ganze, nicht? Deshalb denken wir, dass es auch einmal hinlänglich geklärt werden sollte. Einen Schritt dazu gab es bereits vor etwas über 2 Jahren. Im Rahmen der VegMed trafen sich damals Anwälte und Experten aus verschiedenen Ländern zu einem Rechtssymposium, um über eine rechtliche Umsetzung des Rechts auf pflanzliche Ernährung zu beraten. Denn das große Problem des Nicht-Diskriminierungsparagraphen ist ja, wie bereits oben erwähnt, die Frage, ob es sich beim Veganismus um eine Weltanschauung oder eben um weniger handelt. Denn Paragraf §3 findet leider nur dann Anwendung, wenn der Veganismus auch eine Weltanschauung ist. In England ist man bei dieser Fragestellung übrigens schon weiter: dort ist der Veganismus als Weltanschauung geschützt und die englischen Veganer können sich rechtlich auf den Schutz vor Diskriminierung verlassen.

In Deutschland ist diese Diskriminierung leider immer noch normaler Alltag – ob nun in versteckter oder in offener Form. Meist reicht es da schon, sich die Kommentare auf Veganen-Blogs oder Facebook-Communities durchzulesen. Uns ein absolutes Rätsel: Aber genau hierhin verirren sich immer wieder Nicht-Veganer, die allesamt der Meinung zu sein scheinen, uns Veganer umerziehen zu müssen. Hinzu kommt: Nicht in allen öffentlichen Räumen ist veganes Essen heute auch verfügbar. Öffentliche Einrichtungen? Schulen? Kindergärten? Gefängnisse? Krankenhäuser? Bundeswehr? Überall Fehlanzeige. Doch sollte man jetzt versuchen, hier einen Präzedenzfall zu schaffen, indem man veganes Essen dort für sich selbst einklagt? Es gibt zwar eine EU-Richtlinie, jedoch dürfte einer Klage immer noch die Auslegung des Paragrafen §3 im Wege stehen. Kurz: ob man einen solchen Prozess gewinnen würde oder eben nicht, das steht hier wirklich in den Sternen – und: Es würde bei der Geschwindigkeit unserer Justiz ewig dauern.

Strategiepapier mit rechtlich-veganen Forderungen

Statt also im Kleinen nach rechtlichen Lösungen zu suchen und Einzelklagen anzustreben, wäre eine große Lösung unserer Meinung nach die schlauere. Genau das versucht das bereits erwähnte Rechtssymposium auch zu erreichen. Dafür wurde ein Strategiepapier verabschiedet, in dem die wichtigsten Forderungen aus Sicht der Veganer einmal zusammengefasst wurden.

  • Barrierefreier Zugang zu pflanzlicher Ernährung an öffentlichen Einrichtungen.
  • Einheitliche, verpflichtende Kennzeichnung von veganen Produkten.
  • Garantierte Bereitstellung von veganen Non-Food-Alternativen in öffentlichen Einrichtungen, einschließlich Uniformen und Medikamenten.
  • Entwicklung von umfangreichen Richtlinien und Praktiken, die die wachsende vegane Gemeinschaft unterstützen.

Wir jedenfalls halten das nicht für übertriebene Forderungen und für ein schlaues Vorgehen. Doch auch hier stellt sich uns natürlich die Frage: wann genau wird das so weit sein? Uns interessiert das Thema jedenfalls brennend und wir bleiben da dran. Wenn sich etwas Neues ergibt, dann berichten wir Euch selbstverständlich darüber.

Buchempfehlung: vegan im Recht

Für alle, die noch tiefer in die rechtlichen Fragen des Veganismus eintauchen wollen, haben wir übrigens auch noch eine kleine Buchempfehlung: „Vegan im Recht – das Handbuch für juristische Fragen des vegetarischen und veganen Lebensstils“ von Ralf Müller-Amenitsch. Im Prinzip ist das ein recht praktischer Ratgeber, der uns Veganer bei der Durchsetzung unserer Rechte unterstützen möchte. Das Buch gibt Praxistipps zu rechtlichen Fragen des Arbeits-, Familien-, Schul-, Reise-, Verbraucher-, Miet- und Sozialrechts. In dem Buch finden sich zudem zahlreiche Musterurteile. Ganz spannend zu lesen – und ganz interessant zu erfahren, wo es überall zu Ungerechtigkeiten uns Veganern gegenüber kommt.

Aber diesen wird ja nun zum Glück versucht, mit schlauen Mitteln zu begegnen.

In veggies we trust!

Foto: iStock.de/SimonLukas

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