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Alzheimer? Was ist das noch mal?

Alzheimer ist eine Volkskrankheit. Kann vegane Ernährung helfen, das Demenz-Risiko zu verringern? Wir klären auf.

Viele von Euch werden sich fragen, Alzheimer, was geht mich das an? Ist doch eine Alterskrankheit. Und ja, wir Veganer sind im Durchschnitt eine junge Gemeinde. Doch das müssen wir Euch heute leider zumuten: Auch wir werden älter. Und auch wenn die Wissenschaft die Alzheimer-Krankheit nicht bis ins letzte Detail erforscht hat und bei Gott nicht alles über diese noch unheilbare Krankheit weiß, so sind sich doch so ziemlich alle einig, dass auch die Ernährung zumindest Einfluss auf den Verlauf der Krankheit hat.

Ein typischer Alzheimer-Witz geht zum Beispiel so: „Vergiss nicht, Dein Gemüse zu essen … ha, ha, ha! “ Auch wenn man über Krankheiten keine Witze machen sollte, wird jeder hier ein bisschen schmunzeln. Denn es stecken zwei Thesen in dem Spruch. Die eine offensichtliche: Gemüse essen kann helfen, Alzheimer vorzubeugen. Die andere, nicht explizit geäußerte These: Fleisch essen kann Alzheimer begünstigen. Beide Annahmen wollen wir heute etwas näher beleuchten und dabei verschiedene Fragen beantworten. Was ist überhaupt Alzheimer und wer ist besonders gefährdet? Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Krankheit? Und was ist für uns Veganer und Veganerinnen besonders wichtig: Wird das Alzheimer-Risiko durch vegane Ernährung gesenkt oder erhöht? Wie Ihr sehen werdet, gehen da die Meinungen ziemlich auseinander – und jede Seite hat sich da so ihre Argumente zurecht gelegt.

Unterschied Alzheimer und Demenz

Beginnen wir erst mal mit einer kleinen begrifflichen Klärung. Alzheimer und Demenz sind nicht das Gleiche, obwohl sie häufig in einem Atemzug genannt werden. Demenz ist vielmehr der Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem Verlust der geistigen Funktionen einhergehen. Es gibt verschiedene Demenz-Formen, wobei die Alzheimer-Demenz die häufigste ist. Aber es gibt weitere wie etwa die vaskuläre Demenz oder die frontotemporale Demenz, denen jeweils unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen.

Demenz ist eine Krankheit des Gehirns. Das Hauptmerkmal ist eine Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten. Zusätzlich treten Lern-, Orientierungs- und Sprachprobleme auf, die auch von einer Änderung des Verhaltens und der Persönlichkeit begleitet werden können. Haupterkennungsmerkmal ist allerdings die Vergesslichkeit.

Doch wer hat nicht schon einmal seinen Schlüssel verlegt oder seine Telefonnummer vergessen? Gerade bei älteren Menschen kommt das häufiger vor. Wann können wir also noch von Schusseligkeit ausgehen, und wann könnte es sich um eine Krankheit handeln?

Während einem beim normalen Vergessen irgendwann wieder einfällt, wo der Schlüssel liegt, ist das bei der Demenz nicht der Fall. Das heißt, die Vergesslichkeit dauert an, und selbst bei längerem Nachdenken fällt einem das Vergessene nicht mehr ein. Das Vergessen und Verlegen wird eher zur Regel als zur Ausnahme. Grundsätzlich ist der Verlauf von Alzheimer chronisch und fortlaufend, mit der Zeit wird es also immer schlimmer. Und bislang gilt die Krankheit leider auch noch als unheilbar. Man kann allerdings den Verlauf verlangsamen.

Alzheimer-Risiko – wen trifft es?

Keine Frage, Demenz hat vor allem etwas mit dem Alter zu tun. Etwa 8 % der Bevölkerung über 65 Jahre entwickeln eine Demenz. Der sogenannte Morbus Alzheimer gilt dabei in etwa 60 % der Fälle als Ursache für die Demenz. Veränderungen des Kreislaufsystems, also die sogenannte vaskuläre Demenz, ist lediglich für etwa 20 % der Fälle verantwortlich.

Risikofaktoren für Alzheimer und Demenz sind neben dem Alter aber auch das Geschlecht, die Gene sowie bestimmte Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Tatsächlich betrifft es mehr Frauen als Männer. Kommt Alzheimer in der eigenen Familie vor, und trägt man ein bestimmtes Gen in sich, hat man leider auch ein höheres Risiko.

Am Alter, am Geschlecht und an den eigenen Genen können wir leider nichts ändern. Bleibt ein weiterer in diesem Zusammenhang viel diskutierter Faktor: die Ernährung. Gibt es Lebensmittel, die das Risiko erhöhen bzw. solche, die eventuell vorbeugend wirken?

Alzheimer und vegane Ernährung

Nahrung ist Medizin – das hat schon vor fast zweieinhalbtausend Jahren der griechische Arzt Hippokrates festgestellt. Eine Erkenntnis, die heute wohl kaum noch bestritten wird. Umgekehrt gibt es aber eben auch Nahrung, die definitiv krank macht. Für uns Veganer gehören Fleisch und Wurst da ganz sicher dazu. Was vor allem mit der Art und Weise der Herstellung, aber auch mit der Masse des Konsums zusammenhängt. Die Menschen essen einfach zu viel davon. Die Folgen: Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen, überhöhte Cholesterinwerte und Übergewicht.

Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien inzwischen auch belegen, sind Veganer und Vegetarier tatsächlich oft gesünder als ihre Fleisch essenden Artgenossen. Wir weisen im Durchschnitt niedrigere Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte auf und wiegen weniger. Dadurch haben wir ein geringeres Diabetesrisiko und leiden außerdem wesentlich seltener an Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems. Selbst bösartige Tumore, also Krebserkrankungen, scheinen bei fleischloser Kost wesentlich seltener aufzutreten. Als mögliche Ursachen gelten im Fleisch angereicherte Schadstoffe wie Dioxin und fleischeigene Stoffe wie der Blutfarbstoff Hämoglobin, der die Bildung schädlicher Stickstoffverbindungen verstärkt.

Und wie ist das nun bei Alzheimer?

Neusten Erkenntnissen zufolge scheint Alzheimer eine „vaskuläre“ Krankheit zu sein, was bedeutet, dass sie in Zusammenhang mit Problemen in den Blutgefäßen steht. Wenn unsere Blutgefäße nicht mehr genug Blut ans Gehirn liefern können, führt das dazu, dass nach und nach Gehirnzellen absterben.

Es gibt zwei entscheidende Faktoren, die offensichtlich dazu beitragen, Alzheimer zu bekommen. Zum einen gibt es ein bestimmtes Gen – das APOE epsilon-4 Allee – das die Wahrscheinlichkeit und Anfälligkeit für Demenz und Alzheimer erhöht. Aber nicht jeder, der dieses Gen in sich trägt, bekommt auch Alzheimer. Etwas Zweites muss passieren: Das Gen muss auch ausgelöst, also aktiviert, werden. Hier wird vermutet, dass dies vor allem durch den Konsum von gesättigtem Fett passiert. Die typischen Quellen solcher gesättigten Fettsäuren sind Eier, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Da rufen wir Veganer natürlich erst mal laut „Bingo“!

Das andere Argument, das dafür spricht, dass das Alzheimer-Risiko durch eine vegane Ernährung gesenkt wird, ist das Thema „freie Radikale.“ Diese sollen laut diverser Studien ebenso wie die gesättigten Fettsäuren die Gefahren einer Demenz verschärfen. Jetzt die gute Nachricht für Veganer: Das beste Mittel gegen „freie Radikale“ ist es, viel Gemüse zu essen, ebenso Obst, Vollkornprodukten und Nüsse. Denn hier sind besonders viele Antioxidantien enthalten, deren Gehalt im Blut eine wichtige Rolle spielt. Im Fußball würden wir jetzt sagen 2:0 für die Veganer und Veganerinnen.

Aber auch die Gegenseite – also die Mischköstler – haben Argumente, die sie in die Waagschale werfen können. So wurde bei Demenzkranken häufig ein überhöhter Homocystein-Spiegel beobachtet. Homocystein wird mit Hilfe der Vitamine Folsäure, B6 und B12 abgebaut. Bei Folsäure und bei B6 besteht bei den Veganern überhaupt kein Problem. Häufig allerdings beim Vitamin B12, weil dies in pflanzlichen Lebensmitteln nicht vorkommt. Hier haben wir als Veganer tatsächlich eine Schwachstelle im Abwehrbereich, um in der Fußballersprache zu bleiben. Spielstand: 2:1.

Als weiteres Argument werden zudem die Omega-3-Fettsäuren ins Feld geführt, die bekanntlich vor allem im Fisch vorkommen. Auch diese vermindern wohl das Demenz-Risiko. Diese Schutzwirkung fehlt uns Veganern. Heißt dann wohl 2:2.

Aber so schnell geben wir nicht auf. Lasst uns in die Verlängerung gehen.

Denn gegen die häufig bei Veganern beobachtete erhöhte Blutkonzentration an Homocystein sowie die unzureichende Versorgung mit Vitamin B12 lässt sich etwas tun. Wir müssen einfach besser auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 achten. Sei es über Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Lebensmittel oder mit Vitamin B12 angereicherte Zahncreme. Dann liegen wir schon wieder deutlich mit 3:2 in Führung.

Und wie stark die begrenzte Versorgung von Veganern mit Omega-3-Fettsäuren wirklich das Alzheimer-Risiko letztendlich erhöht, ist aufgrund der derzeitigen Studienlage übrigens noch gar nicht endgültig belegt.

Kurzum: Es spricht eigentlich nichts gegen die These, dass wir uns als Veganer offensichtlich unter gesundheitlichen Aspekten vor keiner anderen Ernährungsweise verstecken müssen. Vieles spricht gar dafür, dass wir auch auf der Hitliste der gesündesten Ernährung ganz weit vorne mitspielen. Wenn es um die Verringerung des Alzheimer-Risikos geht, machen wir als Veganer im Prinzip schon mal alles richtig, wenn wir kein Fleisch essen, dafür viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Dazu sollten wir stets den Vitamin-B12-Haushalt im Blick halten. Schließlich wird auch empfohlen, sich geistig fit zu halten. Gehirntraining ist allemal sinnvoll – erst recht, wenn man im Hinblick auf Alzheimer durch die Eltern genetisch vorbelastet sein sollte.

In diesem Sinne machen wir uns als Veganer auch vor dem Alter keine Sorgen. Oder haben wir etwa irgendwelche wichtigen Punkte vergessen? (Ha ha ha)

In veggies we trust!

Foto: iStock.de/fotografixx

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