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Agavendicksaft – die gesunde Zuckeralternative?

Agavendicksaft – die gesunde Zuckeralternative?

Agavendicksaft galt lange als perfekter Zuckerersatz. Doch wie gesund ist Agavendicksaft wirklich?

Zugegeben: Als wir das erste Mal von Agavendicksaft gehört haben, dachten wir spontan „Was ist das denn schon wieder? Da wird doch garantiert die nächste Kuh durch’s Dorf getrieben.“ Ein kleines, veganes Zaubermittel, das schon die alten Azteken genutzt haben? Süß und trotzdem gesund? Voller Vitamine und Mineralien? Dazu ein bisschen exotisch mit einer Prise mystischem Heilversprechen. Kurzum: Ideale Voraussetzungen, um von geschickten Marketingexperten perfekt ausgeschlachtet zu werden.

Und Wunder über Wunder – in kürzester Zeit wurde aus dem geheimnisumwobenen exotischen Zaubermittelchen ein trendiger Zuckerersatz, der sich nicht nur relativ schnell in der veganen Community verbreitet hat, sondern inzwischen auch schon in ganz normalen Supermärkten anzutreffen ist. Grund genug, denken wir, sich jetzt einmal näher mit dem angeblich perfekten Zuckerersatz auseinanderzusetzen. Die zentrale Frage, die wir uns heute aber stellen: Wie gesund ist Agavendicksaft wirklich?

Agavendicksaft – auf jeden Fall total vegan

Ehrlich gesagt, neugierig waren wir natürlich schon von Anfang an. Und natürlich haben wir den Agavendicksaft schon relativ früh für uns entdeckt, ausprobiert und für gut befunden. Warum? Weil er für Veganer auf den ersten Blick einfach ein ideales Süßungsmittel ist. Tatsächlich ist Agavendicksaft nämlich sogar süßer als normaler Zucker, wird aber nicht wie dieser industriell hergestellt.

Von der Konsistenz, der Farbe und Art der Flüssigkeit erinnert er hingegen eher an Honig oder Ahornsirup. Da wir unter total vegan den totalen Verzicht tierischer Produkte verstehen, kommt für uns Honig bekanntlich nicht infrage. Agavendicksaft hingegen ist ein rein natürliches Süßungsmittel – bei der Herstellung werden ausschließlich pflanzliche und keinerlei künstliche Zusatzstoffe verwendet. Zudem wird er im Vergleich zu Honig nicht fest, was es leichter macht, ihn zu verarbeiten. Auch die Kocheigenschaften sind ausgesprochen gut. Der Saft löst sich beim Erwärmen auf und Ihr könnt ihn auch in verschiedenste Flüssigkeiten einrühren. Für eine vegane Ernährung eignet er sich daher optimal.

Was ist überhaupt Agavendicksaft?

Zunächst einmal zur Begrifflichkeit: Agavendicksaft und Agavensirup sind exakt das Gleiche. Wir verwenden zur besseren Verständlichkeit im Folgenden die Bezeichnung Agavendicksaft, weil diese im Allgemeinen einfach häufiger verwendet wird.

Hergestellt wird Agavendicksaft aus dem süßen Saft der Agave. Dabei gibt es ganz verschiedene Arten von Agaven. Die bekannteste ist wahrscheinlich die blaue Tequila Agave, aus der zum Beispiel auch Tequila gewonnen wird. Agaven findet man hauptsächlich in warmen und trockenen Regionen. Die wichtigsten Herstellungsländer sind aber nach wie vor Südafrika und vor allem Mexiko.

Um den Dicksaft herzustellen, benötigt man eine mindestens 8 Jahre alte Pflanze. Von der Pflanze wird vor dem Erblühen der Kern entfernt, dadurch erhält man ein großes Loch, aus dem etwa ein halbes Jahr lang täglich über einen Liter Saft gewonnen werden kann. Der gewonnene Agavensaft wird erhitzt. Aber niemals höher als auf 48 °C, damit die natürlichen Stoffe erhalten bleiben. Durch das Erhitzen wird er eingedickt, erhält dabei eine leicht bräunliche Farbe und wird deutlich süßer und zähflüssig, bis ein heller Sirup entsteht – der Agavendicksaft beziehungsweise Agavensirup. Je dunkler der Sirup ist, desto länger wurde er eingedickt und desto stärker ist der Geschmack nach Karamell. Durch den Prozess des Einkochens und durch den geringen Gehalt von Wasser im Saft wird der Sirup übrigens sehr lange haltbar. Auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil des süßen Produktes für uns Veganer.

Wofür kann man Agavendicksaft verwenden?

Wie bereits erwähnt ist Agavendicksaft im Grunde der perfekte Honigersatz für Veganer. Denn er ist als Süßungsmittel für all die Dinge perfekt zu gebrauchen, für die auch Honig oder Zucker verwendet werden. Nach dem Eindicken bleibt vom Agavensaft fast ausschließlich Fruktose und Glukose übrig, also Fruchtzucker und Traubenzucker, was ihn auch genauso süß, ja sogar noch süßer werden lässt. Als Faustformel könnt Ihr Euch dabei merken: Wenn Ihr 100 g Zucker benötigt, solltet Ihr stattdessen maximal 75 g Agavendicksaft verwenden.

Weil der Agavensirup von der Konsistenz her sogar flüssiger als Honig ist und sich gut auflösen lässt, könnt Ihr ihn vor allem für das Süßen von Getränken, Dressings und vielerlei Nachspeisen nutzen. Aber auch für Joghurt, Smoothies, Suppen, Soßen, Gelees und viele weitere Gerichte.

Schwieriger ist es mit dem Backen. Hier ist Agavendicksaft als Zuckerersatz oftmals nicht so geeignet. Was vor allem daran liegt, dass sich Teige mit Agavendicksaft schneller und intensiver verfärben, also wesentlich dunkler werden. Und was noch wichtiger als der optische Aspekt ist: Der Teig wird häufig nicht so fest, wie man es durch normalen Zucker gewohnt ist. Kommen wir nun zu unserer zentralen Ausgangsfrage:

Wie gesund ist Agavendicksaft?

War es früher das Fett, so ist es inzwischen eher der Zucker, der als Hauptargument einer ungesunden Ernährung aufgeführt wird. Ist ja auch einfach nachvollziehbar: Zucker macht hungrig, macht dick und ist mitverantwortlich für viele Krankheiten. Ist aber nun Agavendicksaft wirklich generell die gesunde Alternative für Zucker? Wir würden mal sagen – prinzipiell schon, aber mit Einschränkungen.

Ein ganz entscheidender Vorteil gegenüber herkömmlichem Zucker: Agavendicksaft enthält wesentlich weniger Kalorien. Zudem benötigt Ihr nur wenig Agavendicksaft, um Eure Speisen zu süßen, wodurch Ihr ohnehin schon weniger Kalorien zu Euch nehmt.

Ein weiterer Vorteil neben dem Kaloriengehalt von Agavendicksaft: Aufgrund des hohen Anteils an Fruktose ist der glykämische Index wesentlich geringer. Während Zucker einen (GI) von ungefähr 70 Prozent hat, liegt der von Agavensirup etwa bei 20 Prozent. Damit hat Agavendicksaft den niedrigsten Wert sämtlicher natürlicher Süßungsmittel. Das bedeutet, Euer Blutzuckerspiegel wird nicht so hoch und er steigt viel langsamer an. So hat der Körper viel länger etwas von der Energie des Zuckers. Der angenehme Nebeneffekt: auch Heißhungerattacken werden dadurch gedämpft. Besonders für Diabetiker sind diese Eigenschaften ein großer Vorteil, denn wenn sich der Blutzuckerspiegel kaum verändert, muss auch kein Insulin zugeführt werden, das den Blutzuckerspiegel wieder senken soll.

Und wo liegt das Problem mit Agavendicksaft?

Ja, es stimmt. Schon die alten Azteken haben die Agave als Heilmittel verwendet. Wahr ist auch, dass der Agavensaft viele Mineralstoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe enthält, die man im Zucker nicht findet. Der Haken an der Sache: Ihr müsstet schon enorme Mengen des Dicksafts zu Euch nehmen, um wirklich nennenswerte Effekte für Euren Körper daraus zu ziehen. Und genau das ist eher nicht zu empfehlen.

Denn nichtsdestotrotz bleibt auch Agavendicksaft ein Süßungsmittel. Zwar mit einem geringeren Kaloriengehalt als Zucker, aber reichlich Kalorien hat eben auch der Dicksaft. Denn wie gesagt, Agavendicksaft besteht zu einem Großteil aus Fruchtzucker also Fruktose. Dieser kann nicht vom Insulin des Körpers abgebaut werden und belastet die Leber. Zu viel Fruktose fördert zudem die Entstehung des metabolischen Syndroms, also Fettleibigkeit, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder Diabetes. Darüber hinaus leiden viele Menschen an Fruktoseunverträglichkeit und der Zucker bekommt ihnen schlichtweg nicht.

Auch bei Agavendicksaft gilt daher wie bei allen Süßungsmitteln: Besser in Maßen genießen und reduzieren, dann wird der Körper auch nicht belastet. Aber da wir Veganer in der Regel nicht gerade ein Problem mit zu viel Kalorien haben, sondern eher mit zu wenigen, und auch Fettleibigkeit unter Veganern eher seltener vorkommt, ist für uns Agavendicksaft aus gesundheitlichen Gründen auf jeden Fall die gesündere und bessere Alternative zu Zucker oder Honig.

Problematischer in diesem Zusammenhang ist inzwischen eher der ökologische Aspekt. Agavendicksaft ist kein regionales Produkt, sondern muss für uns importiert werden. Der weite Transportweg ist alles andere als gut für unsere Umwelt und belastet die Natur. Kritiker bemängeln zudem, dass auch der Energieaufwand und die Energiekosten bei der Herstellung des Süßungsmittels viel zu hoch wären. Der Dicksaft müsse mit einem vergleichsweise großen CO2-Fußabdruck eingedickt und nach Europa verfrachtet werden. Zudem werden für die Gewinnung des gesamten Bedarfs an Agavendicksaft in Mexiko inzwischen riesige Plantagen an Agaven angepflanzt, was zur Entstehung großer Monokulturen beitrage. Das alles macht den Agavendicksaft unter ökologischen Gesichtspunkten damit zu einem weniger nachhaltigen Produkt.

Wenn Ihr deshalb aus ökologischen Gründen auf Agavendicksaft verzichten wollt, so habt Ihr natürlich die Möglichkeit, auf heimischen Zuckerersatz zurückzugreifen, wie etwa Rübenzucker oder auch Apfelsüße. Damit bekommt Ihr im Grunde das gleiche Produkt, allerdings anstelle der mexikanischen Agave eben einfach mit dem regionalen Apfel als Grundzutat. Schließlich isst ja auch das Gewissen immer mit.

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/showcake

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