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Ab welchem Alter kann sich ein Kind vegan ernähren?

Ab welchem Alter kann sich ein Kind vegan ernähren?

Auch Kinder lieben Tiere. Aber ab welchem Alter ist eine vegane Ernährung für Kinder zu verantworten. Wir versuchen für Euch die wichtigsten Argumente einer hochemotional geführten gesellschaftlichen Debatte zusammenzutragen.

Wie kommt man überhaupt dazu vegan zu leben? Unser ältester vegane Freund liefert dazu die perfekte Geschichte. Eine seiner frühesten Kindheitserinnerungen hängt ganz eng mit seinem Großvater und dessen Garten zusammen. Die Großeltern lebten damals in einem kleinen Dorf. Typisch für das Dorfleben war es damals und ist es wohl auch heute noch, dass man gerne verschiedene Haustiere hielt. Dazu gehörten bei seinen Großeltern neben 3 Katzen, einem Yorkshire Terrier und einer ganzen Menge Hühner auch eine Karnickelfamilie. Die Hasen lebten eigentlich in einem Stall. Aber wenn die Kinder zu Besuch waren, durften sie die kleinen Hoppelmänner aus den Käfigen nehmen und mit ihnen im Garten spielen. Natürlich gaben sie ihnen auch Namen. Der Lieblingshase unseres Freundes hieß „Stampfer“, weil er so große Hinterpfoten hatte und immer laut und heftig trommelte, wenn er ihn sah.

Wahrscheinlich könnt Ihr Euch denken, wie diese Geschichte endete. Nach einem unglaublich leckeren Sonntagsessen der Großmutter wollte unser tierliebender Freund mit seinem Stampfer noch eine Runde im Garten spielen. Doch Stampfer war nicht mehr da. Und bis heute kann er den ungläubigen Blick seines Großvaters nicht vergessen, weil er das Mittagsessen im Garten erbrach. Unser Freund war damals gerade mal 6 Jahre alt und weigerte sich von da an Fleisch zu essen. Für seine Eltern war das ein Riesen-Unglück. Denn ein Kind, das kein Fleisch ist, kann doch bestimmt niemals wachsen. Auch geistig wird es sicherlich zurückbleiben – oder gar an Mangelernährung sterben. Heute ist er ein angesehener Professor der Biologie.

Vegane Kinderernährung – darf man das?

Zum Glück sind wir inzwischen in der gesellschaftlichen Debatte wesentlich weiter. Dachten wir zumindest. Bis wir zuletzt einer Diskussion im Kindergarten beiwohnten. Als Veganer sind wir es eigentlich gewohnt uns immer mal wieder für unsere Ernährung rechtfertigen zu müssen. Schwierig wird es allerdings, wenn vegane Eltern der Vernachlässigung und bewussten Mangelernährung bezichtigt werden, die ihren Kindern eine vegane Ernährung „aufzwingen“ würden. Dann wird das Thema plötzlich hochemotional und geradezu ideologisch geführt.

Deshalb wollen wir heute versuchen, ganz sachlich an die Problematik heranzugehen. Ist vegane Ernährung für Kinder zu verantworten? Schadet sie unseren Kindern? Ab welchem Alter sollten sich unsere Kind vegan ernähren? Und worauf ist bei der Ernährung ganz besonders zu achten? Denn abgesehen vom ethischen Aspekt (Tierwohl – ja oder nein) stellt sich uns in diesem Zusammenhang zuallererst die Frage: Was braucht eigentlich ein Kind um gesund aufzuwachsen?

Babys sind keine Veganer

Fangen wir bei den Kleinsten an: Babys sind keine Veganer. Müssen sie auch gar nicht sein. Denn das Beste, was man Babys geben kann, ist die Muttermilch. Sie stärkt das Immunsystem der Kleinen, enthält alle wichtigen Nährstoffe. Zudem wirkt sich der Stillvorgang positiv auf die Psyche aus. Auch gilt das Stillen als idealer Schutz vor späterem Übergewicht oder Allergien. Deshalb wird allgemein empfohlen, dass ein Baby mindestens 6 Monate, besser sogar 12 Monate gestillt werden sollte – letztendlich so lange, bis es sich selbst abstillt. Das Entscheidende dabei ist allerdings, dass sich auch die Mutter gesund und ausgewogen ernährt. Für Veganerinnen bedeutet dies z. B. auf die ausreichende Aufnahme von Vitamin B12 zu achten.

Aber was, wenn die Mutter nicht stillen kann? Von Ersatzlösungen wie Soja-, Reismilch oder anderen pflanzlichen Drinks ist abzuraten, weil diese zu allergischen Reaktionen führen können. Das gleiche gilt übrigens auch für Kuhmilch. Am besten in diesem Fall den Arzt oder die Hebamme fragen. Denn wenn es um die Gesundheit der Kleinsten geht, sollte man in einem solchen Notfall auch für nichtvegane Lösungen offen sein.

Vegane Kleinkinder

Herrscht bei Babys weitgehend Übereinstimmung, dass es für die Muttermilch im Grunde keinen gleichwertigen Ersatz gibt, gehen die Meinungen bei Kindern ab dem 1. Jahr schon eher auseinander. So gibt es die sogenannten Ernährungsexperten, die auf die Bedeutung von Milchprodukten, Lebensmittelzusatzstoffen und Fleisch hinweisen, weil sie diese als absolut notwendig für das Wachstum, den Knochenbau und die geistige Entwicklung der Kinder erachten. Zudem liest man immer wieder Meldungen in der Presse von Kindern veganer Eltern, die mit Mangelerscheinungen ins Krankenhaus gebracht worden wären. Dagegen beweisen wiederum nicht nur die Erfahrungen zahlreicher veganer Eltern, die ihre Kinder vegan ernährt haben, dass sich diese absolut normal entwickelt hätten. Auch erste Studien belegen, dass vegane Ernährung keineswegs zu Mangelerscheinungen führen muss, sondern ganz im Gegenteil sogar erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringt.

Ab dem 6. Monat können nämlich bereits zusätzlich zur Muttermilch langsam kleine Zugaben an fester Nahrung eingeführt werden. Hierfür eignen sich am Anfang besonders weiche pflanzliche Nahrungsmittel wie gemahlene gekochte Cerealien, püriertes Obst und gut gekochtes Gemüse. Ab dem 12. Monat darf es dann auch schon einer unserer beliebten grünen Smoothies sein. Diese grünen Energiemahlzeiten versorgen Eure Babys mit Eisen, hochwertigem Calcium, bestem Magnesium, lebenswichtigen Aminosäuren, stuhlregulierenden Ballaststoffen, und einer Vielzahl schützender Antioxidantien und Vitamine.

Kurzum, von nun an spricht im Grunde auch nichts dagegen mit einer normalen veganen Ernährung zu beginnen. Vorausgesetzt, man macht alles richtig und achtet dabei auf eine Ernährungsweise, die nicht nur den Vitamin B12 Ausgleich im Blick hat, sondern auch die ausreichende Aufnahme von Proteinen, Zink, Eisen oder Vitamin D berücksichtigt.

Vegane Ernährung bei Kindern und Jugendlichen

Wie immer gilt auch hier: Vegan ist nicht gleich vegan. Denn nicht jeder Veganer ernährt sich gesund. Das gleiche mag passieren, wenn man Kinder sich selbst überlässt. Wenn sie sich nur von veganen Keksen, Sojaburgern oder Teigwaren ernähren, ist das zwar vegan, aber eben auch nicht viel gesünder als Pommes, Currywurst oder Pizza.

Deshalb ist an dieser Stelle schon mal ganz grundsätzlich festzuhalten: Ist im Kindes- und Jugendalter bereits auf eine ausgewogene und vollwertige vegane Ernährung geachtet worden, kann das den Grundstein für eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise legen. Und wie Ärzte und vegane Experten feststellen, auch das Risiko für Übergewicht oder für Krankheiten, die mit der Ernährung zusammenhängen, deutlich senken.

Wie sieht eine vegane gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche also aus? Hier die wichtigsten Tipps, die zu einer ausgewogenen Ernährung bei Kindern zu berücksichtigen sind. Übrigens: Erwachsene sollten sich an die gleichen Regeln halten.

7+wichtige+Mineralquellen+f%C3%BCr+Veganer

Eisen

Tatsache ist: Bei der Versorgung mit Eisen schneiden vegane Kinder im Vergleich zu Fleisch essenden etwas schlechter ab. Deshalb sollte besonders auf die Eisenzufuhr geachtet werden. Denn Eisen ist wichtig für das Wachstum. Eisen kommt in verschiedenen Arten von Bohnen und Blattgemüsen vor. Kleiner Tipp: Vitamin C aus Gemüse und Obst erhöht die Eisenaufnahme. Also am besten gibt man den Kindern eine Kombination aus beidem, z. B. ein eisenreicher Bohnen-Burrito zusammen mit Paprika und Tomatensoße.

Zink

Ein Mangel an Zink kann das Immunsystem schwächen und damit Infektionen sowie zahlreiche Erkrankungen begünstigen. Zudem spielt Zink auch bei der körperlichen Entwicklung und bei der sexuellen Reifung eine wichtige Rolle. Deshalb ist wie bei Eisen auch hier auf eine optimale Versorgung zu achten. Viel Zink findet sich in Samen, beispielsweise in Kürbiskernen, Nüssen aller Art (enthalten ungefähr soviel Zink wie Fleisch), Hülsenfrüchten und Avocados.

Kohlenhydrate

Für Veganer ist die Versorgung mit Kohlenhydraten eigentlich selbstverständlich. Das sind ja sozusagen unsere Grundnahrungsmittel: Sie sind der ideale Energielieferant für ein aktives Kind und kommen in Vollkornprodukten, Bohnen und Gemüse vor. Ob Wildreis, Vollkornbrot und Vollkornnudeln, Haferflocken oder Mais, damit erhält ein Kind auf jeden Fall eine ausreichende Menge an Ballast- und Nährstoffen.

Proteine

Das gleiche gilt für Proteine. Auch sie sind wichtig für das Wachstum. Sie kommen aber nicht nur in tierischen Nahrungsmitteln vor, sondern sind in großen Mengen genauso in Getreide, Bohnen, Obst und Gemüse enthalten. Zudem haben Untersuchungen gezeigt, dass der starke Verzehr von tierischen Proteinen (Eiweiß), besonders aus Milch und Milchprodukten, im Alter von 5–6 Jahren in den folgenden Lebensjahren zu einem höheren BMI und Körperfettanteil führen kann.

Kalzium

Insbesondere in der Wachstumsphase ist die Kalziumzufuhr für vegan lebende Kinder ausgesprochen wichtig. In dieser Phase steigt der Kalziumbedarf, da zusätzliche Knochensubstanz aufgebaut werden muss. Nehmen Kinder zu wenig Kalzium über die Nahrung auf, kann dies zudem zu Rachitis führen. Bei einer nicht-veganen Ernährung bezieht man das Kalzium hauptsächlich über tierisches Eiweiß, also über Milch- und Milchprodukte. Gute vegane Kalziumlieferanten sind dagegen zum Beispiel mit Kalzium angereicherte Soja- oder Getreidemilch, grüne Kohlsorten wie Brokkoli, Chinakohl oder Kohlrabi – und darüber hinaus eines der wichtigsten Lebensmittel überhaupt: kalziumreiches Mineralwasser.

Vitamin B12

Das wohl am heißesten diskutierte Thema bei der veganen Ernährung von Kindern ist die Versorgung mit ausreichend Vitamin B12. Vitamin B12 ist für die gesunde Blut- und Nervenfunktion wichtig. Das Problem für uns Veganer: dieses wichtige Vitamin findet sich leider nur in tierischen Lebensmitteln, hauptsächlich in Rinderleber, Käse und Eiern. Zwar weisen einige Algenarten hohe Mengen an Vitamin B12 auf, die sind aber für Kinder nicht zu empfehlen, da die Wirkung auf den Menschen bislang nicht nachgewiesen werden kann. Neben mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel wie z.B. kommerziellen Cerealien, angereicherten Soja- und Reisdrinks oder Multivitaminsäfte sollten Kinder deshalb zusätzlich ein B12-Ergänzungsmittel zu sich nehmen, damit es nicht zu einer Vitamin B12 Unterversorgung kommt. Das gleiche gilt übrigens auch für stillende Mütter.

Vitamin D

Last but not least: Lasst Eure Kinder so oft wie möglich im Freien spielen, da das Sonnenlicht die Haut zur Produktion von Vitamin D anregt. Zwei Stunden pro Woche gelten dabei als absolutes Minimum. In den Wintermonaten kann die Vitamin D Versorgung durch pflanzliches Vitamin D aus Zusatzpräparaten oder angereicherten Pflanzendrinks verbessert werden.

Fassen wir zusammen

Eine gesunde vegane Ernährung für Kinder hat viele Vorteile. Sie trägt zum Schutz vor chronischen Erkrankungen im späteren Leben bei. Sie beugt späterem Übergewicht vor. Und sie ist deutlich gesünder als die übliche Durchschnittskost der Nicht-Veganer. Die Gefahr der von vielen Kritikern veganer Ernährung heraufbeschworenen sogenannten Mangelernährung besteht nur, wenn sich die Kinder nicht ausgewogen ernähren. Dies gehört dann aber auch zum Erziehungsauftrag der Eltern. Achtet als vegane Eltern darauf, dass Eure veganen Kinder vollständig mit allen Nähr- und Vitalstoffen versorgt werden, dann können Eure Kinder nicht nur gesund, sondern gleichzeitig ethisch korrekt aufwachsen.

Was sind Eure Erfahrungen zu dem Thema? Wir freuen uns auf Euer Feedback.

In veggies we trust!

Foto: iStock.com/kupicoo, iStock.com/marilyna

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